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Dänemark hat jetzt alle Titel zusammen

Der Weltmeister und Olympiasieger feiert 34:27-Finalsieg über Deutschland bei der Europameisterschaft, Bronze an Kroatien – Gidsel räumt alle Trophäen ab


Gold in Herning: Dänemark komplettiert die Titel-Trilogie.


Seit 2012 hatte Dänemark auf diesen Moment warten müssen: Als am Sonntagabend die dänische Königin Mary und EHF-Präsident Michael Wiederer die Schale an Kapitän Magnus Saugstrup übergaben, war der Weltmeister und Olympiasieger endlich auch Europameister. 2008 und 2012 hatten die Dänen diesen Titel gewonnen, waren 2014 im Finale im heimischen Herning genauso wie vor zwei Jahren im EM-Finale in Köln an Frankreich gescheitert, nun war in ebendiesem Herning der Zeitpunkt gekommen. Aber die Goldmedaillen und die Schale waren extrem hart erarbeitet, gegen eine bärenstarke deutsche Mannschaft, die 50 Minuten ebenbürtig war. Vor allem dank der 14 Paraden von Andreas Wolff, der im Finale Deutschlands EM-Rekordspieler mit 42 Partien wurde und zudem der erste deutsche Handballer ist, der zum dritten Mal in einem EM-All-Star-Team steht.


Selbst die frühe Rote Karte gegen Tom Kiesler warf die Deutschen nicht aus der Bahn, der finale Schock war dann aber die zweite Rote Karte gegen Jannick Kohlbacher drei Minuten vor dem Ende. Deutschland kämpfte sich dank der Tore von Juri Knorr und Julian Köster nach dem 7:10 wieder zurück, war bis zum 27:29 in der 53. Minute auf Augenhöhe, dann aber zog ihnen Torwart Kevin Möller den Zahn – und das während der gesamten EM überragende Rückraum-Duo Simon Pytlick und Mathias Gidsel entschied, mal wieder, die Partie. Achtmal traf Pytlick, sieben Mal Gidsel, der damit einen neuen Torrekord für Europameisterschaften aufstellte: Insgesamt 68 Treffer standen für den zweifachen Welthandballer zu Buche, die bisherige Bestmarke hielt der Norweger Sander Sagosen mit 65 Treffern bei der EM 2020. Aber Gidsel nahm nicht nur Gold und den goldenen Ball als erfolgreichster Torschütze mit, sondern auch die MVP-Trophäe. „Ich brauche bei meinen Eltern bald ein neues Zimmer für die Trophäen“, sagte der nun fünffache MVP bei Grossturnieren (WM, EM und Olympia) mit einem Grinsen im Gesicht.


Simon Pytlick im Abschluss gegen die unterlegenen Deutschen.


Aber sowohl Dänen als auch Deutsche waren sich einig, dass das Endresultat von 34:27 zu deutlich war. „Das war ein wirklich hartes Spiel. Wir hatten nach 15 Minuten die Chance, die Führung auszubauen, aber Andreas Wolff war im Tor überragend. Ich finde, der Sieben-Tore-Unterschied am Ende spiegelt nicht wider, wie hart umkämpft dieses Finale war – die Entscheidung fiel erst in den letzten vier oder fünf Minuten“, sagte Dänen-Trainer Nikolaj Jacobsen, der nach vier WM-Titeln und einem Olympiasieg nun auch Europameister als Coach ist und seine insgesamt neunte Medaille in dieser Funktion gewann. Dänemark ist nach Frankreich im Jahr 2010 die erste Mannschaft, die alle drei Titel (WM, EM, Olympia) gleichzeitig innehat.


Aber auch wenn sie Gold, wie im Olympiafinale 2024 ebenfalls gegen Dänemark verpasst hatten, gab es viel Lob für den Silbermedaillengewinner: „Deutschland hat in letzter Zeit viele grossartige Leistungen gezeigt. Sie gehören jetzt bei jedem Turnier zu den Favoriten. Sie müssen nur noch den letzten Schritt zum Titel machen. Aber ich werde ihnen nicht sagen, wie man ein Finale gewinnt. Sie spielen die nächste WM zu Hause, also werden sie definitiv zu den Favoriten gehören“, sagte Jacobsen.


Matthias Gidsel wird zum MVP ausgezeichnet.


Das sieht Andreas Wolff ähnlich: Wir haben bei diesem Turnier nochmal deutliche Schritte nach vorne gemacht. Auch im Vergleich zu der besten Mannschaft - vielleicht der Geschichte. Ich denke, dass wir noch öfter Finals gegen Dänemark spielen werden. Nächstes Jahr spielen wir zu Hause. Vielleicht schlagen wir sie dann im Finale.“

Die Bronzemedaille sicherte sich Kroatien nach einer wahren Schlacht gegen Island mit einem 35:34-Sieg. Beide Teams liessen wirklich alles auf dem Feld, was sie nach acht vorherigen Spielen noch hatten. Trotz insgesamt 18 Toren der beiden Magdeburger Omar Ingi Magnusson (12) und Gisli Kristjansson (6) verpassten die Isländer ihre erste Medaille seit EM-Bronze 2010. Auch schon die beiden Halbfinals waren – wie sehr viele Spiele der gesamten EM – absolut ausgeglichen, und endeten beide mit 31:28 – für Dänemark gegen Island und Deutschland gegen Kroatien. Auch in dieser Partie wurde Andi Wolff als „Player of the match“ ausgezeichnet, sein Team gab eine Sieben-Tore-Führung fast noch aus der Hand. Dänemark hatte erhebliche Probleme mit der extrem beweglichen und harten isländischen Abwehr – aber übersprang schliesslich auch diese Hürde.


Überragend zwischen den Pfosten: Andreas Wolff im EM-Finale.


Die nächste Europameisterschaft findet 2028 in der Schweiz (mit Zürich als Spielort) sowie Spanien (Madrid und Valencia) sowie Portugal (Lissabon) statt. Die drei Präsidenten der Ausrichter präsentierten am Samstag den Stand der Planungen. Der vierte Teilnehmer neben den Gastgebern steht mit Dänemark nun fest. Danach wurden die Playoffs für die WM 2027 in Deutschland ausgelost, bei denen das Team von Andy Schmid im Mai auf Italien trifft. Direkt qualifiziert haben sich von der EM neben dem Gastgeber und Weltmeister Dänemark die Mannschaften aus Kroatien, Island, Portugal und Schweden. Die Portugiesen erreichten mit Rang fünf ihre beste EM-Platzierung aller Zeiten.


Ergebnisse Finalwochenende:

Spiel um Platz fünf: Norwegen – Schweden 36:35 (16:16)

Halbfinals:

Deutschland – Kroatien 31:28 (17:15)

Dänemark – Island 31:28 (14:13)

Spiel um Platz drei:

Island – Kroatien 33:34 (14:17)

Finale:

Dänemark – Deutschland 34:27 (18:16)


Abschlussplatzierungen:

GOLD: Dänemark

SILBER: Deutschland

BRONZE: Kroatien

4. Island, 5. Portugal, 6. Schweden, 7. Frankreich, 8. Slowenien, 9. Norwegen, 10. Ungarn, 11. Spanien, 12. Schweiz, 13. Färöer, 14. Nordmazedonien, 15. Niederlande, 16. Österreich, 17. Tschechien, 18. Italien, 19. Serbien, 20. Georgien, 21. Polen, 22. Rumänien, 23. Montenegro, 24. Ukraine


Das All-Star-Team:

MVP: Matthias Gidsel (Dänemark)

Tor: Andreas Wolff (Deutschland)

Linksaussen: August Pedersen (Norwegen)

Rückraum links: Simon Pytlick (Dänemark)

Rückraum Mitte: Gisli Kristjansson (Island)

Rückraum rechts: Franciso Costa (Portugal)

Rechtsaussen: Marko Spstaric (Kroatien)

Kreis: Johannes Golla (Deutschland)

Bester Abwehrspieler: Salvador Salvador (Portugal)

Bester Nachwuchsspieler: Francisco Costa (Portugal)

Torschützenkönig: Mathias Gidsel (Dänemark) – 68 Tore


Die Play-offs für die WM 2027 in Deutschland:

Sieger Ukraine/Slowakei - Nordmazedonien

Sieger Bosnien-Herzegowina/Kosovo - Färöer

Tschechien - Frankreich

Schweiz - Italien

Sieger Finnland/Montenegro - Slowenien

Sieger Serbien/Litauen - Ungarn

Spanien - Sieger Georgien/Israel

Sieger Griechenland/Belgien - Niederlande

Norwegen - Sieger Türkei/Rumänien

Österreich - Sieger Polen/Lettland

Die Hinspiele sind am 13./14. Mai, die Rückspiele am 16./17. Mai.


Text: Björn Pazen Bilder: Kolektiffimages

 
 
 

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