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«Es gibt ihn also doch, den Handball-Gott»

Die Schweizer schaffen, was nicht mehr möglich schien, und ziehen in die EM-Hauptrunde ein. Dank einer grossartigen Willensleistung bezwingen sie Montenegro mit 43:26 und profitieren von der Schützenhilfe Sloweniens. Nun warten vier weitere Top-Gegner.


Text: Stephan Santschi Bilder: Kollektiffimages


«Wir packen die Koffer, aber reisen in die richtige Richtung.» Manuel Liniger, der Manager der Schweizer Nationalmannschaft, atmete am Dienstag zu später Stunde wie jeder Protagonist der Rotweissen kräftig durch. Das Ausscheiden in der Vorrunde konnte abgewendet werden, anstatt aus Oslo vorzeitig nach Hause zurückzukehren, ziehen die Schweizer Handballer weiter nach Malmö, wo sie am Freitag die Europameisterschaft in der Hauptrunde fortsetzen. «Gegen Slowenien fühlten die Spieler den Schmerz, nun fühlen sie die Freude», sagte Nationaltrainer Andy Schmid.


Hochverdient: Mit geschlossener Teamleistung in die Hauptrunde.


Was war passiert? Nicht weniger als ein kleines sportliches Wunder. Eigentlich war das Ziel, zum zweiten Mal in der Verbandsgeschichte in die Top 12 einer EM vorzustossen, bereits vertan, die 35:38-Niederlage gegen Slowenien nach Neuntore-Führung hatte die Schweizer am Sonntag tief verletzt. «Ich bin am Boden zerstört. Wir waren hier, um Geschichte für unser Land zu schreiben, und haben alles vermasselt. Es tut so weh. Ich bin gerade sehr traurig und fühle mich einfach nur mies», gab Linksaussen Noam Leopold zu Protokoll.


Schweizer zeigen eine fantastische Reaktion

Am Dienstag, keine 48 Stunden später, rafften sich die Schweizer allerdings wieder auf – und wie! Gegen Montenegro spielten sie in der abschliessenden Vorrunden-Partie erstmals an diesem Turnier über 60 Minuten konstant stark – Dellen, Beulen oder sogar Löcher waren in ihrem Auftritt keine erkennbar. «Am meisten freue ich mich über unsere Mentalität. Unglaublich, was wir auf die Platte gebracht haben. Ich wusste, dass wir eine Reaktion zeigen werden, doch das ist nicht im Ansatz zu erwarten gewesen», freute sich Schmid.


Die Schweizer drückten von Beginn aufs Tempo, bekämpften den Schmerz in der Seele und den Beinen mit viel Willenskraft. Montenegro mit dem Krienser Radojica Cepic im Rückraum und im Abwehr-Innenblock, wusste nicht, wie ihm geschieht, bereits zur Pause lag es mit 16:22 zurück. Nach dem Seitenwechsel setzten sie die Gala fort, Gegenstösse, Einzeldurchbrüche, spielerische Lösungen und Abschlüsse aus der Distanz – die Schweizer zogen im Angriff sämtliche Register. Brillant waren Luca Sigrist und Lenny Rubin, die beide zehn Mal ins gegnerische Netz trafen.



Mathieu Seravalli überzeugte mit 12 Paraden.


Ersatzgoalie Mathieu Seravalli im Scheinwerferlicht

Die Abwehr packte leidenschaftlich zu, Samuel Röthlisberger und Lukas Laube blockten mehrfach spektakulär Würfe der Montenegriner, und was trotzdem einen Weg aufs Tor fand, wurde in vielen Fällen zur Beute von Ersatzgoalie Mathieu Seravalli. Der 21-Jährige, der bis dahin überhaupt keine Rolle gespielt hatte, kam aus dem Strahlen nicht mehr heraus – nach seiner Einwechslung in der 24. Minute steigerte er sich zu 12 Paraden und einer Fangquote von 48 Prozent. «Wir haben nicht die besten zwei Tage unseres Lebens hinter uns. Doch mit einfachen Gesprächen und guter Laune versuchten wir sie zu löschen. Wir zeigten sehr viel Charakter», berichtete Seravalli.


Am Ende stand ein furioser 43:26-Sieg zu Buche, das um 16 Einheiten schlechtere Torverhältnis gegenüber den Färöer Inseln war korrigiert. Doch all das hätte nichts genützt, wenn die Akteure von den Schafsinseln anschliessend gegen die Slowenen einen Punkt geholt hätten. Vor einer erneut fantastischen Kulisse zeigten die Färinger allerdings Nerven, und so war das kleine Schweizer Handballwunder kurz nach zehn Uhr Tatsache: Die coolen Slowenen leisteten Schützenhilfe, gewannen mit 30:27, womit die Schweizer an den Färöer Inseln vorbei auf Platz zwei und in die Hauptrunde vorstiessen. «Es gibt ihn also doch, den Handball-Gott», befand Schmid.



Youngster Luca Sigrist erzielte 10 Tore gegen Montenegro.


Nun kommen Ungarn, Kroatien, Island und Schweden

Auch wenn sie letztlich um Haaresbreite am Scheitern vorbeigeschrammt sind, ist das Weiterkommen mehr als verdient, die Schweizer waren in der Gruppe D die beste Mannschaft. «Vielleicht müssten wir sogar mit sechs Punkten auf Platz eins stehen», meinte Verbandspräsident Pascal Jenny, und Nationaltrainer Schmid hielt fest: «Das ist unser Riesenproblem: Meine Spieler wissen nicht, wie gut sie eigentlich sind, und zu was sie fähig wären.» Nun erhalten sie in vier weiteren Spielen die Gelegenheit, um ihre Qualitäten unter Beweis zu stellen.


Am Freitag starten sie gegen Ungarn in die Hauptrunde, die weiteren Gegner heissen Kroatien (Sonntag oder Mittwoch), Island (Dienstag) und Schweden (Sonntag oder Mittwoch). Der schlimme Kater aus dem Slowenien-Spiel ist überstanden, nun kann die EM-Party richtig losgehen. Schmid, der den «sportlichen Horror» gegen Slowenien aufgrund ungenügenden Coachings persönlich genommen hatte, sagt: «Ich hatte viele Tiefpunkte in meiner Karriere, aus den bitteren Niederlagen habe ich mehr gelernt als aus den grossen Siegen, und genau das sage ich auch meinen Spielern.»

 

Montenegro – Schweiz 26:43 (16:22)

Unity Arena, Oslo. – 2579 Zuschauer. – SR Alvarez/Bustamante (ESP). – Strafen: 1-mal 2 Minuten gegen Montenegro. – Schweiz: Portner (5 Paraden)/Seravalli (12); Steenaerts (8), Rubin (10), Aellen (1), Sigrist (10), Samuel Zehnder (4/4), Meister (1), Röthlisberger (1); Maros (3), Ben Romdhane, Manuel Zehnder (3), Laube (2). – Bemerkungen Schweiz ohne Küttel, Wanner (beide überzählig), Willecke, Leopold, Kusio (nicht eingesetzt).


Hauptrunde Gruppe II

Slowenien, Schweiz, Schweden, Kroatien, Island, Ungarn.


Spiele Schweiz

Freitag, 23.01.2026 Schweiz - Ungarn

Sonntag, 25.01.2026 Schweiz - Kroatien/Schweden

Dienstag, 27.01.2026 Schweiz - Island

Mittwoch, 28.01.2026 schweiz - Kroatien/Schweden


 
 
 

2 Kommentare


Kareem X
Kareem X
23. Jan.

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Kareem X
Kareem X
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