Die Kadetten siegen, der BSV Stans feiert
- Handballworld AG

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Aktualisiert: vor 6 Tagen
Die Kadetten Schaffhausen gewinnen zum elften Mal den Schweizer Cup und werden damit ihrer Favoritenrolle gerecht. Für das stimmungsmässige Highlight sorgte am ersten Final-4-Turnier in der Krienser Pilatus Arena aber ein B-Ligist.

Zum elften Mal Cupsieger: Die Kadetten lassen sich im Goldschimmer feiern.
Der Regen aus goldenen Schnipseln flatterte auf die Spieler der Kadetten Schaffhausen nieder, Ende Dezember errangen sie zum elften Mal in ihrer Klubgeschichte den Schweizer Cup. Klar, sie waren der Favorit, doch im nationalen K.-o.-Wettbewerb sammeln sie die Titel nicht so konstant wie in der Meisterschaft – seit 2016 ist es «erst» der vierte Pokalgewinn. Und so wussten sie ihn durchaus zu würdigen, «es ist superschön, dass wir gewinnen konnten», befand Linksaussen Marvin Lier nach dem 29:26-Finalsieg gegen Pfadi Winterthur.
Es war kein hochklassiges Endspiel, dafür war die Anzahl der technischen Fehler (28) zu hoch. Die Intensität passte aber zur Affiche, die Partie wurde mit harten Bandagen geführt. Verletzungspausen, Diskussionen, zwölf Zweiminutenstrafen, drei Konsultationen des Videobeweises und eine rote Karte für Schaffhausens Daniel Reznicky wegen eines Gesichtstreffers prägten das Duell der beiden Dauerrivalen. Ernsthafte Zweifel an einem Erfolg der Schaffhauser gab es aber nicht, früh führten sie 4:0, mussten nur einmal den Ausgleich zulassen (24./10:10) und lagen nie im Rückstand.
Kadetten seit neun Monaten ungeschlagen
Prunkstück der Kadetten war die Abwehr, die mit viel Physis, guter Beinarbeit und eingespielten Automatismen das Toreschiessen zur Herkulesaufgabe machte. Das wieder erstarkte Pfadi Winterthur, letzte Saison nur auf Platz neun der QHL klassiert, wehrte sich zwar leidenschaftlich, vermisste aber die Reife, um das auf nationaler Bühne seit neun Monaten ungeschlagene Schaffhausen in die Knie zu zwingen. «Die Kadetten haben verdient gewonnen. Sie sind konsequent und können jeden Fehler bestrafen», vermerkte Pfadi-Trainer Goran Cvetkovic im «Tagesanzeiger».
Die Schaffhauser dominieren sportlich also weiterhin den Schweizer Handball. Auf der Tribüne waren sie am ersten Final-4-Turnier in der Krienser Pilatus Arena aber nur die Nummer vier, das Publikumsinteresse bei den Orangen war sehr bescheiden. Das stimmungsmässige Highlight bot der Aussenseiter, rund 800 Fans des BSV Stans generierten Gänsehautatmosphäre. Vor dem Halbfinal am Samstag organisierten sie einen rund 1,2 Kilometer langen Fanmarsch mit Trycheln und Nidwaldner Fähnchen.

Küttel im Zweikampf in der Halbfinalpartie gegen die St. Galler Abwehr.
Bundesliga-Profi im Stanser Fanblock
Danach sorgten sie auch auf den Rängen für eine grossartige Unterstützung, verstärkt durch Angehörige aus aller Welt. Die Familie des Spielmachers Fernando Skrebsky Dutra kam aus Brasilien, Bekannte von Trainer Vicente «Ike» Cotrina Cabal aus Spanien, und mit Frederik Simak, dem Bruder des Stanser Kreisläufers Axel, feierte auch ein Bundesliga-Profi des TBV Lemgo im Stanser Fanblock. «Unglaublich, ich bin sehr berührt», kommentierte Cotrina stellvertretend für seine Mannschaft den fantastischen Support.
Auf dem Platz wehrte sich der B-Ligist eindrücklich, führte sowohl im Halbfinal gegen Winterthur als auch im Spiel um Platz drei gegen St. Otmar St. Gallen vorübergehend mit drei Toren. Während Pfadi vor allem dank Ramon Kusnandar, dem besten Goalie des Turniers, deutlich mit 34:25 siegte, kam St. Gallen auf dem Weg zu Bronze ins Zittern, gewann nur knapp mit 30:28. «Klar wäre ich mit einer Medaille glücklicher, aber wir spielten gegen Mannschaften mit Profistrukturen. Dass man in den wichtigen Momenten einen Unterschied sieht, ist logisch. Das ist die Realität», befand Cotrina.
Ärgerlich: Keine Live-Übertragung auf SRF
Der Organisator zog derweil zufrieden Bilanz, die Premiere in der Krienser Pilatus Arena ist gelungen. «Die Atmosphäre war berauschend, das Format hat überzeugt», fand OK-Präsident Andreas Campi. Noch braucht der Event aber etwas Zeit, um Kinderkrankheiten wie etwa jene im Ticketing zu überwinden, und sich zwischen den Festtagen zu etablieren. Anstatt der angestrebten 3000 Fans besuchten im Schnitt nur knapp 2400 die vier Spiele innerhalb von zwei Tagen – die Abwesenheit von Lokalmatador Kriens-Luzern war spürbar.
Für Unmut sorgte derweil die mangelhafte TV-Präsenz. Nicht wie üblich das Schweizer Fernsehen, sondern die kostenpflichtige Livestream-Plattform «Redsport» übertrug den Cupfinal. Scheinbar war der Entscheid des Schweizerischen Handballverbands, den Schweizer Cup als Final-4-Turnier zwischen Weihnachten und Neujahr zu zelebrieren, überhastet und ohne genügende Absprache mit dem SRF getroffen worden. Die öffentlich-rechtliche TV-Anstalt verfügte aufgrund des gedrängten Wintersport-Programms offenbar über zu wenig Kapazitäten.
Cupfinal: Kadetten Schaffhausen – Pfadi Winterthur 29:26 (14:11). – Spiel um Platz 3: St. Otmar St. Gallen – BSV Stans 30:28 (16:13). – Halbfinals: Winterthur – Stans 34:25 (17:15). Schaffhausen – St. Gallen 28:26 (15:16).
Text: Stephan Santschi Bilder: Alexander Wagner




















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