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Viel Lob und etwas Kritik nach der EM-Hauptprobe

Die Schweiz gewinnt den Yellow-Cup in Winterthur zum zehnten Mal und reist mit Zuversicht an die EM. Besonders erfreulich sind die starken Comebacks von zwei Schlüsselspielern.


Zum 52. Mal fand der Yellow Cup in der AXA Arena in Winterthur statt.


2000 Fans, eine ausverkaufte Arena, eine packende Finalissima und ein Ergebnis, das der Schweiz den zehnten Turniersieg einbringt: Der Yellow-Cup in Winterthur endete am Samstag stimmungsvoll und erfolgreich. Dank einem 29:29-Remis gegen Nordmazedonien holte die Mannschaft von Nationaltrainer Andy Schmid im dritten und letzten Spiel jenen Punkt, den sie zur Sicherung des ersten Platzes brauchte. «So soll ein Test sein. Er hat uns alles abverlangt, wir haben alles auf der Platte gelassen», resümierte Abwehrchef Samuel Röthlisberger.

Die wichtigste Nachricht ist allerdings, dass es diesmal nicht zu einem schwerwiegenden Ausfall kam. In den letzten beiden Jahren zog sich mit Jonas Schelker (2024) und Manuel Zehnder (2025) jeweils ein Rückraumspieler eine komplizierte Knieverletzung zu. Während Schelker später das gleiche Malheur nochmals mit seinem Klub Kriens-Luzern erlitt und deshalb weiterhin nicht zur Verfügung steht, gab Zehnder exakt ein Jahr nach dem Unglücksmoment sein Comeback. «Ich freue mich, es ist sehr schön, zurück im Nationalteam zu sein», befand Zehnder.


Manuel Zehnders Lust auf Handball

Die Art und Weise, wie er in seinem ersten Spiel nach 12 Monaten auftrat, war äusserst bemerkenswert. Der 26-jährige Spielmacher benötigte keine Anlaufzeit, als er in der Startpartie gegen die Ukraine in der 19. Minute auf das Feld kam. Zwei Minuten später erzielte er bereits das erste Tor, sieben weitere sollten folgen. Seine Stärke in 1-1-Situationen, der Spielwitz, sein Abschlussvermögen – es schien, als ob der Schweizer X-Faktor nie weggewesen wäre. «Ich bin froh, dass es wieder dort anfängt, wo es aufgehört hatte. Bei meiner Rückkehr wollte ich nicht halben Handball spielen.»

Unter Zehnders Führung kam die Schweiz gegen den EM-Teilnehmer aus der Ukraine zu einem souveränen 38:27-Sieg, der ein zweites Comeback von grosser Bedeutung beinhaltete – jenes von Captain Nikola Portner. Der 32-jährige Torhüter bestritt nach abgesessener Dopingsperre den ersten Ernstkampf in dieser Saison und er tat dies nicht weniger effektiv als Kollege Zehnder. 15 Paraden bei einer Abwehrquote von 37 Prozent standen am Ende zu Buche, darunter auch immer wieder freie Abschlüsse des Gegners.


Nikola Portner wurde als bester Torwart ausgezeichnet.


Niclas Mierzwa sagt der Schweiz ab

Neben dem Blick auf diese Individualisten gefiel die Schweiz im Kollektiv, nie in der Verbandshistorie war der Kader in der Breite qualitativ so stark besetzt wie jetzt. Exemplarisch hierfür steht der linke Flügel, wo mit Lemgos Samuel Zehnder und Noam Leopold von Nantes zwei Akteure mit Weltklasse-Potenzial figurieren. Auch der Konkurrenzkampf am Kreis, wo Lemgos Joël Willecke hinter Lucas Meister (Schaffhausen) und Lukas Laube (Kiel) nur die Nummer drei ist, zeigt auf: Die Messlatte für einen Platz in der SHV-Auswahl hat sich markant nach oben verschoben.

Einer, der vorerst jedoch auf ein Aufgebot verzichtet, ist Niclas Mierzwa. Der Überflieger von Pfadi Winterthur, der in der Torschützenliste der QHL als bester Schweizer auf Platz drei liegt, hat Schmid kurzfristig eine Absage erteilt. Dem Vernehmen nach buhlt Deutschland intensiv um den 19-jährigen Doppelbürger, dessen Vater Alexander deutscher Nationalspieler war. Erst im vergangenen Oktober hat der pfeilschnelle Linksaussen im Testspiel gegen Kroatien für die Schweiz debütiert, in einem Ernstkampf kam er aber noch nicht zum Einsatz.


Noam Leopold (links) und Lenny Rubin (Mitte) führen die Schweizer Nati zum zehnten Mal zum Yellow Cup Sieg.


Schwache Phasen sorgen für Kritik

Trotz Turniersieg, trotz Spielfreude, Tempo, Variabilität und harmonischer Teamchemie gibt es vor der am Freitag gegen die Färöer Inseln beginnenden EM auch Kritikpunkte. In allen drei Spielen kam es zu Phasen, in denen die Schweiz den Faden verlor und sich das Leben schwer machte. «Überall fehlt ein wenig», sagte Schmid während eines Timeouts und bezog sich auf Unkonzentriertheiten in Angriff und Abwehr. Deshalb wurde es gegen Bahrain (33:30) in der Schlussphase wieder eng, deshalb verpasste man gegen Nordmazedonien trotz Sechstore-Führung den Sieg. Doch auch dazu dient der Yellow-Cup. Um Fehler zu machen, die an der EM nicht mehr passieren dürfen.


Text: Stephan Santschi Bilder: Yellow Cup ZVG / Martin Deuring

 
 
 

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