top of page

Viele Thriller, viele Überraschungen – und der Titelverteidiger ist raus

Die Würfel sind gefallen: Am Freitag kämpfen Deutschland und Kroatien sowie Dänemark und Island um den Einzug ins Finale der Handball-Europameisterschaft im dänischen Herning. Die Hauptrunde glich in beiden Gruppen einer Achterbahnfahrt.


Text: Björn Pazen Bilder: Kolektiffimages

 

Welthandballer Mathias Gidsel (DEN) führt die Topscorerliste mit 54 Treffern (zusammen mit Francsico Costa) an.


Welch‘ eine Hauptrunde und welche Halbfinalduelle: Die Handball-Europameisterschaft in Dänemark, Schweden und Norwegen ist in Sachen Ausgeglichenheit und Dramatik nicht zu überbieten. «In jedem Spiel kann jeder gegen jeden gewinnen, die Tabellenkonstellation hatte sich mehrmals täglich geändert. Das war Spannung pur, mehr kann es für einen Handballfan nicht geben», sagte Dänemarks Trainer Nikolaj Jakobsen, dessen Team zwar alle Hauptrundenspiele gewann, zuvor aber gegen Portugal verloren hatte. Nach 2012 wollen die Dänen am Sonntag endlich wieder Europameister werden – nach vier WM-Titeln in Folge und zwei Olympiasiegen. Aber selbst der Topfavorit musste sich in der Hauptrunde gegen Deutschland und Frankreich mächtig strecken, bis die Siege eingefahren waren. Im zweiten Halbfinale am Freitag gegen Island ist die Jakobson-Truppe der grosse Favorit, aber: «Island steht nach ewigen Zeiten wieder in einem Halbfinale, die wollen das unbedingt gewinnen. Wir haben den nötigen Respekt», sagte Dänemarks Rückraumspieler Lasse Möller.



Juri Knorr (GER) traf im letzten Hauptrundenspiel gegen Frankreich 10-mal.


Hauptrundengruppe I

Im ersten Halbfinale (17.45 Uhr) treffen zwei weitere isländische Trainer aufeinander: Alfred Gislason mit Deutschland und Dagur Sigurdsson, der Deutschland zum letzten EM-Titel 2016 geführt hatte, mit Kroatien. Bei den beiden vergangenen Turnieren hatten diese Teams nach Finalniederlagen gegen Dänemark jeweils Silber gewonnen: Kroatien bei der WM 2025, Deutschland bei Olympia 2024. «Dass wir vor zwei Wochen zweimal gegen Kroatien in Testspielen gewonnen haben, sagt vor einem Halbfinale gar nichts aus. Die Kroaten standen im letzten Jahr im WM-Finale und haben auch bei diesem Turnier gezeigt, dass sie zu Grossem in der Lage ist. Kroatien steht absolut zurecht im Halbfinale und ist immer dann am besten, wenn sie mit dem Rücken zur Wand stehen», sagt Deutschlands in der Hauptrunde überragender Torwart Andreas Wolff. Nachdem Dänemark das Halbfinalticket schon am Montag vor 15´000 frenetischen Fans in Herning durch den Sieg gegen Deutschland und der sensationellen Niederlage Frankreichs gegen Spanien gebucht hatte, gab es ein echtes Duell ums Weiterkommen, das die Deutschen 38:34 gewannen und somit Titelverteidiger Frankreich entthronten.


Hauptrundengruppe II

In der Schweizer Gruppe in Malmö war der Kampf um die Halbfinalplätze noch dramatischer. Vor dem letzten Hauptrundenspieltag konnten noch vier Teams weiterkommen. Island sicherte sich in der ersten Partie des letzten Spieltags durch einen 39:31-Sieg gegen Slowenien das erste Halbfinal-Ticket, danach zog Kroatien mit einem äusserst glücklichen 29:25-Erfolg über Ungarn nach, gewann somit wie Dänemark in der deutschen Gruppe alle vier Hauptrundenspiele und wurde Gruppensieger. Vergessen war die Vorrundenklatsche gegen Gastgeber Schweden. Dem Drei-Kronen-Team nutzte auch der finale 34:21-Erfolg gegen die Schweiz nichts, das Halbfinalticket wurde mit der 27:35-Niedelage gegen Island sowie dem folgenden Remis gegen Ungarn verspielt. Für die Schweden geht es am Freitag gegen Portugal um Platz fünf.


«Todesgruppe» in Herning

Dagegen mussten grosse Handballnationen wie Spanien, Frankreich und Norwegen in der «Todesgruppe» in Herning die Segel streichen. Alle drei verpassten die direkte Qualifikation für die WM 2027 in Deutschland, für die Kroatien, Island, Portugal und Schweden ihr Ticket mit einem Platz unter den besten Sechs buchten. Gastgeber Deutschland und Titelverteidiger Dänemark waren direkt qualifiziert. «Die Niederlage gegen Deutschland tat richtig weh. Egal, wie schwer diese Hauptrundengruppe war, wir haben enttäuscht. Wir haben schlecht gespielt und am Ende die Quittung dafür bekommen», sagte Frankreichs Trainer Guillaume Gille.


43 Bundesliga Spieler in Halbfinals dabei

Dafür darf sich die deutsche Bundesliga freuen: sie ist mit 43 Spielern bei den vier Halbfinalisten vertreten, zudem spielen neun der aktuell zwölf besten Torschützen in Deutschland. Wer sonst als der dänische Füchse-Spieler und Welthandballer Mathias Gidsel führt die Liste – gleichauf mit dem Portugiesen Francisco Costa – mit 54 Treffern an, Dritter ist Simon Pytlick (Dänemark/Flensburg) mit 51 Toren. Auf Platz elf liegt vor dem Finalwochenende der Schweizer Lenny Rubin (36).


Am spielfreien Samstag werden im Rahmen der Abschluss-Pressekonferenz (ab 14 Uhr) auch die Paarungen der zehn Play-offs für die Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland ausgelost. Die Schweiz ist durch den Einzug in die Hauptrunde in Topf 1 der stärksten Teams eingruppiert.


Spielplan Finalwochenende im dänischen Herning


Freitag, 30. Januar 2026

15.00 Uhr: Spiel um Platz 5: Portugal – Schweden

17.45 Uhr: Halbfinale 1: Deutschland – Kroatien

20.30 Uhr: Halbfinale 2: Dänemark – Island


Sonntag, 1. Februar 2026

15.15 Uhr: Spiel um Platz drei

18.00 Uhr: Finale


Alles über die Europameisterschaft 2026 lesen Sie im nächsten Handballworld Magazin.

 


 
 
 

Kommentare


Featured Posts
Versuche es später erneut.
Sobald neue Beiträge veröffentlicht wurden, erscheinen diese hier.
Recent Posts
Archive
bottom of page