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«Auf kurz oder lang ist ein zweiter Profi mein Wunsch»


Die Spono Eagles setzen sich hohe Ziele. Nicht nur weitere nationale Titel sollen folgen. Trainer Urs Mühlethaler will das Team auch in Richtung mehr Professionalität weiter entwickeln.

Sieben Spiele – vierzehn Punkte: Die Spono Eagles ziehen als Titelverteidiger momentan an der Tabellenspitze ihre eigenen Kreise. Das Team von Trainer Urs Mühlethaler wird in der Schweizer Meisterschaft oft kaum richtig gefordert. Deshalb seien sie gezwungen, sich ihre eigenen Ziele zu setzen. «Wir versuchen keine Selbstzufriedenheit aufkommen zu lassen. Wir wollen uns weiter entwickeln», so der Eagles-Teamverantwortliche.

Mit einem «Schritt in Richtung höherer Professionalisierungsgrad» sieht Mühlethaler die auf diese Saison hin vorgenommene Steigerung der Trainingsintensität und Trainingsqualität. Dazu gehört auch, dass die Mannschaft jetzt dreimal zwischen 18 Uhr und 20 Uhr und einmal zwischen 17 Uhr und 19 Uhr trainiert. Mit den zeitlich früher angesetzten Einheiten verspricht man sich ebenfalls mehr Regenerationszeit. Das Krafttraining wird weiter nach einem individuellen Plan absolviert. Dazu kommen zwei wöchentliche Athletikeinheiten. Die Torhüterinnen stehen weiterhin montags über Mittag in der Halle.

Individuelle Weiterbildung

Seit kurzem kommt in Nottwil am Mittwochnachmittag noch eine 90-minütige Einheit dazu. Beim ersten Training – bei welchem vor allem die individuelle Weiterbildung im Vordergrund steht – waren fünf Spielerinnen dabei. Neben der bei den Spono Eagles als Profi spielenden Ivana Ljubas sollen auch Nachwuchsspielerinnen diese Möglichkeit nutzen. Mühlethaler hofft, «dass wir zu einem späteren Zeitpunkt 10 bis 12 Spielerinnen in der Halle haben.» Auch im normalen Berufsprozess stehenden Akteurinnen sollen von diesem Training profitieren. Das heisst für die eine oder andere Spielerin aber auch, dass dies mit einer Reduktion des Arbeitspensums verbunden ist.

«Wenn wir weiterkommen wollen, müssen wir den Weg zu mehr Professionalität gehen», sagt Urs Mühlethaler. Im reinen Amateurbereich sieht er die Eagles international bei den «oberen 20 Prozent». Bei der Koreareise im Vorfeld der Saison habe man gesehen, «dass wir nicht so weit weg von den Profis sind.» Gegen Krasnodar haben die Eagles im Europacup zwar zweimal deutlich verloren. «Trotzdem konnten wir gegen die Profimannschaft - mit einigen russischen Olympiasiegerinnen von Rio - zeitweise gut mithalten», sagt der Spono-Chef.

«Ein wenig crazy sein»

Mühlethaler wäre aber nicht Mühlethaler, wenn er mit Nottwil keinen (langfristigen) Plan hätte. Dazu gehört eine gemeinsame Vereins- und Spielphilosophie. «Hier sind wir deutlich weiter als noch vor ein, zwei Jahren.» Und er fordert die Vorstandscrew schon mal mit etwas verrückten Ideen, wie beispielsweise einem eigenen Mannschaftsbus. Von zehn Vorschlägen seien vielleicht fünf zu teuer. «Drei können wir aber umsetzen». Man müsse halt ein wenig crazy sein, sagt Mühlethaler.

Während die im Verein vorhandene Quantität noch ausgebaut werden soll, denkt der Eagles-Trainer vor allem Richtung Spitze. In diesem Zusammenhang fährt er zweigleisig. Will heissen: Er schaut auf den Schweizer Markt, aber nicht nur. «Auf kurz oder lang ist ein zweiter Profi mein Wunsch.»

Als er vor zwei Jahren nach Nottwil kam, sei man stolz gewesen, eine Mannschaft aus der 2. Bundesliga schlagen zu können. «Heute sind wir auch diesbezüglich weiter.» Das nahe Ausland – Deutschland oder Frankreich – ist für Urs Mühlethaler ein nächstes Stichwort. Während einer Spielpause unter anderem an einem Mittwoch nach Göppingen zu einem Spiel fahren, könne ein weiterer Schritt sein. «Wir müssen jede sich uns bietende Chance nützen, um gegen einen guten Gegner zu spielen.»

Zwischentitel

Doch das kostet alles Geld. Wie die Reduktion des Arbeitspensums finanziell kompensiert werden soll, sei beispielsweise noch nicht definiert, sagt Präsident Urs Wey. «Wir suchen nach Lösungen.» Der Verein könne diese Einbusse allerdings nicht übernehmen. Zwischen einer halben Million und 600'000 Franken beträgt das aktuelle Gesamtbudget. Wey sieht aber noch eine weitere Herausforderung. «Viele Personen arbeiten bei uns – gerade im administrativen Bereich - ehrenamtlich.» Hier gelte es ebenfalls Lösungen zu finden. In diesem Zusammenhang denkt er beispielsweise an die Einrichtung einer Geschäftsstelle.

Das Sponsoringthema ist für Wey seit seinem Amtsantritt vor fünf Jahren ein Dauerbrenner. Momentan denkt man in Nottwil zudem darüber nach, den Mitgliederbeitrag zu verdoppeln. «Wir bieten auch viel», begründet er. So profitiere der ganze Verein unter anderem wegen einem sehr guten Ausrüstervertrag von vorteilhaften Einkaufskonditionen.

Und wie sieht der Präsident den sportlichen Schritt Richtung Teilprofessionalisierung der Spono Eagles? «Ich stehe voll hinter dieser Philosophie. Aber natürlich muss alles finanziell tragbar sein.»

Text: Ernesto Piazza

Bild: Alexander Wagner (Im Bild jubelnde Lisa Frey)

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