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«Zwischen uns und Norwegen liegen keine Welten»

Die Schweiz spielt am Montag zum Abschluss der WM-Vorrunde gegen Frankreich. Kreisläufer Alen Milosevic (31) spricht über den Gegner, seine eigenen Erfahrungen mit Corona und die Pyramiden von Gizeh.


Interview: Stephan Santschi

25:31 gegen Vize-Weltmeister Norwegen, die Schweiz war im zweiten Vorrundenspiel der Wucht des Gegners nicht gewachsen. Wie haben Sie die Partie erlebt?

Alen Milosevic: Für jene, die wie ich in der Bundesliga spielen, ist das der Alltag, die Norweger sind sich an dieses Niveau gewöhnt. Sie sind bekannt für ihr Tempospiel, ihre gute Abstimmung zwischen Verteidigung und Torhüter. Viel fehlt uns aber nicht, um sie zu kitzeln.


Was konkret hat gefehlt?

Das Tempo, die Cleverness, die Erfahrung. Zwischen uns und Norwegen liegen keine Welten, die Differenz von sechs Toren war etwas zu hoch, eine Niederlage mit drei oder vier Toren hätte dem Geschehen besser entsprochen.


Ihr Zusammenspiel mit Regisseur Andy Schmid funktionierte besser als gegen Österreich, am Ende hatten Sie sieben Tore auf dem Konto. Was war anders?

Österreich hatte etwas kompakter verteidigt. Wichtig war aber vor allem der eine Tag Vorbereitung, gegen Österreich waren wir ja direkt aus dem Flieger ans Spiel gekommen. So konnten Andy und ich mit unseren Verteidigern Samuel Röthlisberger und Michal Svajlen etwas Kleingruppentaktik machen und wir sprachen über die kleinen Zeichen, die er mir während des Spiels gibt, um einfache Tore zu erzielen.


Nach dem Spiel gegen Norwegen, das nach elf Uhr nachts zu Ende war, ging es im Bus zurück ins Hotel. Noch vor dem Nachtessen stand ein weiterer Corona-Test auf dem Programm, richtig?

Richtig. In der Sporthalle ist Duschen nicht erlaubt, also fuhren wir gleich ins Hotel zurück. Bevor wir unsere Sachen aufs Zimmer bringen konnten, gab es einen PCR-Test. Auch beim Essen waren wir ungeduscht, damit wir am Buffet noch etwas erhielten, dann ging es weiter zum Physio oder zum Arzt. Ich persönlich kann nach solchen Spielen nicht sofort schlafen, es wurde schon drei, vier Uhr morgens, bis ich ruhig im Bett lag.


Im November fielen Sie wegen eines positiven Coronatests mehrere Wochen aus, weshalb Sie auch die EM-Qualifikationsspiele gegen Dänemark und Nordmazedonien verpassten. Hatten Sie Symptome?

Nein, ich war symptomfrei, der Test war aber lange positiv, weshalb ich individuell trainieren musste. Das Testspiel gegen Italien Ende Jahr und das Trainingscamp in Siggenthal waren für mich deshalb extrem wichtig, weil ich wegen einer kleineren Verletzung und wegen Corona ein Jahr lang nicht beim Schweizer Nationalteam war. Taktisch geht da schon das eine oder andere vergessen.


Wie erleben Sie die sogenannte Bubble, in der sich das Nationalteam in Ägypten bewegen muss?

Der Hotelkomplex ist relativ gross, hier sind praktisch nur WM-Teams einquartiert. Die Angestellten tragen Masken und Handschuhe, Plexiglasscheiben sind allgegenwärtig, wir sind sehr gut abgesichert. Das Essen vom Buffet darf man nicht selbst nehmen, das Personal schöpft uns auf den Teller.


Sightseeing wird also nicht möglich sein.

Nein. Aber von meinem Balkon aus sehe ich zu den Pyramiden von Gizeh, das ist schon sehr eindrücklich. Auch drei, vier Kamele watscheln gelegentlich herum.


Und immerhin ist der Mannschaftsbus nicht mehr wie bei der Anreise mit Folien abgedeckt…

Damit wollte man uns Privatsphäre geben. Einigen ist aber auf der ruckeligen Fahrt schlecht geworden, jetzt sind die Fenster frei. Mir war nicht bewusst, wie riesig Kairo mit seinen 9,5 Millionen Einwohnern ist, Wahnsinn! Da braucht man für 29 Kilometer schon mal eineinhalb Stunden…


Die Schweiz befindet sich an der WM in der Hammergruppe, am Montag wartet zum Abschluss der Vorrunde Frankreich. Wie sehen Sie dieser Partie entgegen?

Wir müssen mehr von unserem Tempospiel profitieren, erste und zweite Wellen hatten wir bisher wenige. Wir brauchen gegen die starken Goalies der Franzosen eine gute Wurfausbeute. Und wir sollten noch von zwei, drei weiteren Positionen aus mit Spielwitz und Frechheit agieren, dann haben wir eine Chance, Frankreich auf Augenhöhe zu begegnen. Wir möchten mit einem guten Resultat in die Hauptrunde einziehen, wo wir höchstwahrscheinlich auf Island, Portugal und Algerien treffen werden. Gegen diese Teams können wir dann eher etwas herausholen.

Interview Stephan Santschi

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