Zwei erfolgreiche Auftritte als Zielsetzung

Die Schweizerinnen treffen im Rahmen der EM-Qualifikation auf Litauen. Headcoach Martin Albertsen will mit seinem Team weiter «im Geschäft» bleiben und zugleich die Entwicklung vorantreiben. Den Partien könnte angesichts des Ausschlusses Russlands eine erhöhte Bedeutung zukommen.


Ernesto Piazza

Die Schweizerinnen wollen gegen Litauen gewinnen. Bild: Alexander Wagner


Die Frauen Nationalmannschaft steht vor zwei wegweisenden Spielen. Will sie sich noch eine Chance für die Qualifikation der im November 2022 in Slowenien, Nordmazedonien sowie in Montenegro stattfindende Europameisterschaft offenhalten, braucht sie gegen Litauen Punkte. Die ersten beiden Partien gegen Russland (22:26) und Polen (22:31) gingen nämlich verloren.


Trainer Martin Albertsen sieht sein Team allerdings vor einer kniffligen Aufgabe. Vor allem im Auswärtsspiel erwartet er eine «extrem schwierige Partie», weil sich zwei Mannschaften auf etwa demselben Niveau begegnen würden. «Aber selbstverständlich», betont der dänische Headcoach in Diensten des SHV, sei es das Ziel zwei erfolgreiche Auftritte abzuliefern. «Wenn wir noch besser werden und uns den besten Teams in Europa nähern wollen, gehören Siege gegen ein Team wie Litauen dazu.» Den letzten Vergleich gewann die Schweiz im November 2018 in Siggenthal mit einem Tor Differenz.


Nach wie vor in einem Projekt

Gegen Russland, das im vergangenen Dezember an der Weltmeisterschaft in Spanien im Viertelfinale gegen den nachmaligen Weltmeister Norwegen mit 28:34 unterlag, setzten die Schweizerinnen im Rahmen der laufenden EM-Kampagne bei der Vier-Tore-Niederlage ein Ausrufezeichen. Auch mit der ersten Hälfte gegen Polen sei er zufrieden gewesen, resümiert Albertsen. «Darauf lässt sich aufbauen.»

Man befinde sich nach wie vor in einem Projekt, erklärt er weiter. Dieses ist auch abgestützt auf der im Sommer 2020 vom SHV in Cham initiierten CONCORDIA Handball-Akademie Frauen. Das Ziel dieses langen Prozesses sei die Heim-EM 2024, so der Headcoach der A-Nati, der zugleich für den sportlichen Akademie-Part verantwortlich ist. «Auf so einem Weg gibt es halt immer wieder Höhen und Tiefen.» Da braucht es Geduld. Neu sei allerdings, sagt Albertsen, «dass die Mädels mittlerweile ihren Herausforderungen mit viel Selbstvertrauen begegnen.»

Jetzt müsse weiter vor allem an den körperlichen Voraussetzungen gearbeitet werden. Und auch daran, ein Turnier stabil und auf einem konstant guten Niveau zu bestreiten. Hier verweist der Däne beispielsweise auf das Vierländerturnier vom November im tschechischen Cheb. Da schlug die Schweiz zum Auftakt den Gastgeber (29:25), dem sie bei den Barrage-Spielen zur WM kurz zuvor noch unterlegen war. «Diese Begegnung war das beste Spiel, das ich bisher von meinem Team gesehen haben», fasst Albertsen diese 60 Minuten zusammen. In den beiden folgenden Partien jedoch, vermochte die Mannschaft sowohl gegen Island wie auch gegen die B-Auswahl von Norwegen nicht mehr an diese Leistung anzuknüpfen.


Bächtiger nachnominiert

Mit Manuela Brütsch, Kerstin Kündig, Lisa Frey, Charlotte Kähr, Tabea Schmid, Lea Schüpbach und Chantal Wick sind für die beiden Spiele gegen Litauen insgesamt sieben Akteurinnen dabei, die im Ausland spielen. Diese Entwicklung begrüsst Albertsen. Dass mittlerweile immer mehr Schweizerinnen diesen Weg suchen und auch finden. «Denn dort werden die Spielerinnen praktisch täglich auf einem hohen Niveau gefordert. Das brauchen wir, um uns weiter zu entwickeln. Denn ziehe man die Resultate der Schweizer Teams im Europacup heran, «fehlt uns da schon noch ein grosses Stück des Weges».


Im Aufgebot gegen Litauen stand auch Pascale Wyder. Für sie wäre es eine Rückkehr gewesen, spielte sie doch zuletzt im November 2019 in der Nationalmannschaft. «Sie hat einen super Sprung gemacht», begründete Albertsen ihre Nominierung. Umso enttäuschender ist es für die Spielerin von Frischauf Göppingen, dass sie coronabedingt passen muss. Aus dem gleichen Grund sieht sich auch Stefanie Eugster gezwungen, absagen. Deshalb hat Martin Albertsen die LK-Zug-Spielerin Emma Bächtiger nachnominiert.


Mit Frey und Wick sind auch zwei eigentliche Abwehrspezialistinnen dabei. Dadurch dürfte es im Spiel zwar zu Angriff/Abwehr-Wechseln kommen, trotzdem fordert der Trainer von seinem Team künftig vermehrt Gegenstoss-Tore. «Auf dem Niveau brauchen wir diese einfachen Treffer.»


Nuria Bucher erstmals dabei

Bei den Torhüterinnen setzt Albertsen auch bei den beiden Litauen-Spielen auf die mittlerweile 150-fache Internationale Brütsch sowie Schüpbach (beide Bad Wildungen) und auf Sladana Dokovic (Brühl). Mit guten Leistungen hat sich allerdings Soraya Schaller (Spono Eagles) ins Gespräch gebracht. «Soraya habe ich auch auf meinem Zettel», bestätigt der Nati-Coach. Sie habe eine super Einstellung. Und er ist überzeugt, dass sie bei der Stabilität noch zulegen wird. Zudem sieht Albertsen auf der Goalie-Position eine positive Entwicklung bei der Akademie-Spielerin Claire Hartz (Spono Eagles).

Erstmals im Aufgebot für die beiden Litauen-Partien ist Nuria Bucher (Spono Eagles). Sie besucht ebenfalls die Akademie. Die U18-Internationale spielt momentan bei Nottwil noch im SPL2-Team und bei der U18 Elite. Jüngst wurde sie für die SPL1-Mannschaft mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet. «Nuria hat extrem Qualität und eine grosse handballerische Zukunft vor sich», ist Albertsen überzeugt.

Im Aufgebot fehlen diesmal hingegen Svenja Steinmann (Flügel rechts, LK Zug) und Kira Zumstein (Rückraum, Spono Eagles). Beide gehörten im November beim Vierländerturnier in Tschechien noch dazu. Der Eagles-Spielerin attestiert der Schweizer Headcoach mit dem Wechsel von Rotweiss Thun nach Nottwil einen «guten Move» und er wird sie auch weiter beobachten. Albertsen ist vor allem gespannt, wie sich die Bernerin im Spono-Dress «bezüglich Stabilität weiterentwickelt». Bei diesem Zusammenzug in Schaffhausen ist Zumstein als Gastspielerin dabei. Mit Mia Emmenegger (Spono) und ohne Steinmann steht allerdings nur ein etatmässiger Flügel rechts im Aufgebot. «Auf dieser Position könnten aber sowohl Malin Altherr wie Xenia Hodel eingesetzt werden», sagt Albertsen dazu.

Weiterhin verzichten muss Daphne Gautschi (Sport Union Neckarsulm). Die Rückraumspielerin leidet weiter an einer Thrombose und ist auf die Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten angewiesen. «Wir hoffen natürlich, dass sie zurückkommt», sagt Albertsen. Wann das sein wird, lasse sich aktuell aber nicht abschätzen. «Daphne kann sich zwar wieder leicht betätigen, aber an einen sportlichen Körperkontakt ist noch nicht zu denken.»


Erhalten die Spiele eine erhöhte Bedeutung?

Die Mannschaft hatte sich am Sonntag in Schaffhausen besammelt und reiste am Dienstag ins litauische Klaipeda. Dort findet am Donnerstag um 18 Uhr das erste Spiel statt. Einen Tag später fliegt das Team zurück in die Schweiz. Am Sonntag 6. März (16 Uhr) steht dann in Gümligen das Rückspiel auf dem Programm. Beide Partien werden live auf SRF übertragen.

Den Partien könnte eine höhere Bedeutung zukommen. Die EHF hat wegen des Angriffs auf die Ukraine alle russischen und belarussischen Teams von den laufenden internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen; das Spiel Schweiz - Russland am 20. April in Basel findet nicht statt. Noch ist nicht bekannt, wie die Qualifikations-Gruppe 1 mit Russland, Polen, der Schweiz und Litauen gewertet wird. Sollten nach dem Ausschluss der Russinnen trotzdem zwei Teams direkt die EM erreichen, würde sich die Schweiz mit einer positiven Bilanz aus den Litauen-Spielen in eine ausgezeichnete Position für eine Teilnahme bringen.


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