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NUN WARTET GEGEN ALGERIEN «DIE LETZTE MISSION»

Die Schweizer kämpfen wacker, verlieren gegen Portugal aber mit 29:33. Die Qualifikation für den WM-Viertelfinal rückt damit ausser Reichweite, trotzdem bleibt der Mannschaft ein grosses Ziel.


Stephan Santschi



Hätte Cédrie Tynowski den Ausgleich erzielt, wer weiss, was gegen ein nervöser werdendes Portugal noch möglich gewesen wäre? Vier Minuten vor Schluss ist die Schweiz im Angriff, 29:30 liegt sie im Rückstand, der Ball kommt im 7-gegen-6-Überzahlspiel zu Tynowski am rechten Flügel. Der Linkshänder geht trotz spitzem Winkel in den Abschluss und zieht den Ball am langen Pfosten vorbei. Im Gegenzug foult Philip Novak einen Gegenspieler penaltyreif, erhält zudem zwei Minuten aufgebrummt. Antonio Areia trifft vom Siebenmeterpunkt zur 31:29-Führung. Die Luft bei den Schweizern ist draussen, die zweite Partie der WM-Hauptrunde geht mit 29:33 verloren. «Die Chance zum Ausgleich war der Schlüsselmoment, die Zweiminutenstrafe danach brach uns das Genick», bemerkte Nationaltrainer Michael Suter.


Abwehr kommt diesmal nicht auf Topniveau

Für die Schweizer rückt die Qualifikation für den WM-Viertelfinal nach der dritten Turnierniederlage ausser Reichweite. Trübsal blasen mochte deshalb keiner, dafür gab es auch keinen Grund. Wieder leisteten sie einem internationalen Schwergewicht erbitterten Widerstand, diesmal war es Portugal, der Sechstklassierte der EM 2020. «Fünf Spiele in neun Tagen ist für gewisse Spieler eine enorme Belastung. Doch wir haben uns das nicht anmerken lassen, man hat unseren Teamspirit gesehen. Anders wäre eine solche Leistung auch nicht möglich gewesen», resümierte Suter. Die Leistung in der Abwehr und im Tor bewegte sich diesmal aber nicht auf dem hohen Niveau des Frankreich- und Islandspiels. Zu athletisch, zu schnell und zu robust waren die Portugiesen, derweil die Schweizer die Strapazen dieser Weltmeisterschaft deutlicher spürten. «Wir haben alles probiert, in der Verteidigung jedoch nie ganz den Zugriff bekommen», sagte Tynowski und er hielt fest: «Mit schnellen Kreuzbewegungen haben die Portugiesen uns Mühe bereitet. Unsere Beine waren schwer, wir kamen ihnen nicht hinterher.»


Andy Schmid überragt wieder alle

Einmal mehr zeigten die Schweizer aber eine fantastische Moral. Zwar lagen sie über weite Strecken zurück, zum letzten Mal egalisierten sie das Skore in der 18. Minute (10:10). Wegziehen liessen sie die Portugiesen aber nicht, auch nicht, als diese kurz nach dem Seitenwechsel erstmals mit vier Toren in Führung gingen (22:18). In der Defensive vermochte sich die Schweiz anschliessend sogar zu steigern und vorne hatte das 7-gegen-6-Überzahlspiel den gewünschten Effekt. Überragend war dabei erneut, wen vermag es zu überraschen, Spielmacher Andy Schmid, der Zauberpässe spielte und selbst elf Mal traf. Am Ende waren es indes einige Flüchtigkeitsfehler zu viel, um ein Kaliber wie Portugal zu besiegen. Fehlpässe wie jenen von Samuel Zehnder, der Portugal einen Gegenstoss und einen Wurf ins leere Tor ermöglichte oder technische Fehler wie jene von Lenny Rubin, verträgt es auf diesem Level nicht. Dass sich die Schweiz nicht gehen liess, so wie es die ebenfalls kurzfristig für die WM nachnominierten Nordmazedonier gegen die Russen (20:32-Niederlage) taten, ist ihr allerdings hoch anzurechnen.


Sprung in die Top 16 der WM ist möglich

Vorbei ist die Weltmeisterschaft für sie damit noch nicht, ganz im Gegenteil. Am Sonntag (15.30, live auf TV24), im abschliessenden Spiel gegen Algerien, wartet auf die SHV-Auswahl der erste nichteuropäische Gegner und «die letzte Mission», wie Nationaltrainer Suter sagt. Mit einem Sieg sichert sie sich den vierten Rang in der Hauptrundengruppe 3 und damit eine Schlussplatzierung in den Top 16. Nach Rang vier an der WM 1993 und Platz sieben an der WM 1995 wäre dies das wertvollste Ergebnis in der WM-Geschichte des Schweizer Handballs. «Der Einzug in die Top 16 ist ein riesiges Ziel für uns, ein ganz wichtiger Schritt für unseren Verband und der perfekte Abschluss für dieses Turnier», betont Suter und er fügt an: «Wir sind wirklich müde, doch unser Medical Team muss diese Müdigkeit nun aus den Beinen unserer Spieler bringen. Und mein Job ist es, die Müdigkeit aus den Köpfen zu kriegen.»


Schweiz - Portugal 29:33 (15:17)

Madinat Sittah Uktubar. Keine Zuschauer. Schiedsrichter Garcia/Marin (ESP).


Torfolge: 0:2, 1:3, 3:3, 10:10, 10:12, 12:13, 12:15, 15:17; 18:20, 18:22 (35.), 20:24, 23:24 (41.), 23:27, 24:28, 26:28, 27:30, 29:30 (55.), 29:33.

Strafen: 4mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 3mal 2 Minuten gegen Portugal.


Schweiz: Portner (1 Tor/7 Paraden)/Bringolf; Schmid (11 Tore/7), Rubin (4), Tynowski (2), Svajlen, Lier (1), Sidorowicz (2), Raemy (1), Röthlisberger (1), Schelker (1), Tominec, Gerbl, Zehnder (1), Milosevic (4), Novak.


Portugal: Quintana (2 Paraden)/Humberto Gomes (6); Portela (2 Tore), Duarte, Iturriza (7), Ferraz (2), Martins (3), Moreira (1), Silva (2), Salina (1), Borges, Branquinho (3), Cavalcanti, Areia (3), André Gomes (3), Magalhaes (6).


Bemerkungen: Schweiz ohne Meister (verletzt), Küttel (krank), Maros (positiv auf Corona getestet), Ben Romdhane und Grazioli (beide überzählig). Portela schiesst Penalty an die Latte (55./29:30).

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