«Underdogs» proben den Aufstand

Überraschende Ergebnisse zum Start in die neue SPL1-Spielzeit. Einzig die Spono Eagles halten bisher die gewohnte Hierarchie aufrecht.


Text: Ernesto Piazza Bilder: zVg. und Martin Deuring

Überraschende Resultate zum Auftakt in die neue Saison: In den ersten vier Runden heizten die vermeintlichen «Underdogs» den «Etablierten» teilweise tüchtig ein. Und zieht man die Resultate als Massstab für den weiteren Saisonverlauf heran, könnte sich bewahrheiten, was verschiedene Insider erwarten: ein stärkemässiges Zusammenrücken der SPL1-Teams.


Aktuell führen die Spono Eagles die Tabelle mit sieben Punkten an. Nach dem verlorenen Supercup gegen Zug ist der erste Titel der Saison zwar weg. Mit drei Siegen zum Start gegen GC Amititia, Yellow Winterthur und Herzogenbuchsee war es bisher aber einzig der LK Zug, der Nottwil einen Punkt abknöpfen konnte. In einer spannenden Partie, in der Spono lange Zeit als der Sieger aussah, mussten die Eagles am Ende allerdings froh sein, praktisch mit der Schlusssirene durch Xenia Hodel noch den Ausgleich zu schaffen. Bisher zeigt sich der neue Headcoach Marco von Ow jedenfalls zufrieden. Auch weil sein Team sich in einem Prozess befindet und Zeit braucht, um sich in der neuen Konstellation zu festigen. Der Blick auf die aktuelle Rangliste zeigt jedenfalls: Die Eagles befinden sich auf Kurs.


Zug seinerseits missriet nach einem tollen Auftritt im Supercup der Start in die neue Meisterschaft praktisch gänzlich. Zuerst setzte es in Winterthur eine Niederlage ab, dann unterlag man völlig überraschend gegen GC Amicitia. Auch zuletzt gab es in Kreuzlingen keinen doppelten Punktgewinn, obwohl man zur Pause noch mit vier Toren führte. Zug muss weiterhin auf Celia Heinzer aufgrund ihrer Kreuzbandverletzung verzichten. Ebenfalls wegen einer Knieverletzung fällt Emma Bächtiger lange aus. In Kreuzlingen war nach ihrem Nasenbeinbruch zumindest Ria Estermann erstmals wieder dabei. Verletzt fehlt dem letztjährigen Cupsieger jedoch auch Joline Tschamper. Wegen der personellen Situation griff Trainer Damian Gwerder gegen die Spono Eagles und auch in Kreuzlingen erneut auf Jacqueline Hasler-Petrig zurück. Vielleicht kommt die nun anstehende zweiwöchige Pause – die Nationalmannschaft bereitet sich am Vierländerturnier in Dänemark auf die EM vor – für Zug im richtigen Moment. Ein Highlight kann der der LKZ aber dennoch vermelden. Leah Stutz hat erstmals ein A-Nati-Aufgebot erhalten.


Nachdem sich GC Amititia in der vergangenen Saison praktisch auf dem «letzten Drücker» über die Auf-/Abstiegsrunde SPL1/SPL2 in der SPL1 halten konnte, starteten die Zürcherinnen überraschend positiv in die neue Spielzeit. Aus dem happigen Startprogramm mit Spono, Zug, Yellow Winterthur und Brühl – immerhin sind dies die vier Finalrundenteilnehmer der letzten Saison – gewann GC Amicitia sowohl gegen Zug wie auch gegen Yellow. Das Team hat zwar einige Abgänge zu verzeichnen, kann aber gerade mit den Zuzügen der litauischen Nationalspielerin Simona Kolosové oder der Isländischen Torhüterin Sunna Petursdottir auf internationale Erfahrung bauen. Zudem sorgen weitere Zugänge für mehr Breite und Qualität im Kader. In Zürich gibt man sich jedenfalls optimistisch und will nun höhere Ziele anvisieren.


Bei Herzogenbuchsee ist auch ein klarer Trend nach vorne festzustellen. Die Rückkehr von Steffi Eugster (LK Zug) und Michelle Schmid (Rotweiss Thun) geben dem Team Stabilität und Qualität. Aber auch die jungen Spielerinnen machen weiter Fortschritte. Was beispielsweise bei «Buchsi» möglich sein kann, wenn es optimal läuft und sich die Truppe an den jeweiligen Matchplan hält, hat das Team mit dem Auswärtssieg gegen Brühl gezeigt. Noch spielt der HVH aber zu wenig konstant – wie das jüngste Beispiel gegen die Spono Eagles zeigt.


Dass mit Kreuzlingen in dieser Saison ganz klar zu rechnen ist, hat sich bereits in den ersten vier gespielten Partien der neuen Saison gezeigt. Gegen Brühl und Zug spielte man unentschieden, gewann in Thun und in Herzogenbuchsee. Spono-Meistertrainer Urs Mühlethaler wirkt in Kreuzlingen neu als Sportchef und Co-Trainer. Weil es für den Verein am Bodensee aufgrund der geografischen Lage oft schwierig ist, Schweizer Spielerinnen zu verpflichten, wird er immer wieder erfolgreich im benachbarten Ausland fündig. Auch diesmal: Annika Blanke (Herrenburg) und Stefanie Schalko (Stockerau) sind beispielsweise aus Deutschland, respektive Österreich dazugestossen und haben ihre Qualitäten bereits angedeutet.


Sicherlich mehr versprochen vom Saisonstart, hat sich Yellow. Zum einen kann Winterthur weiter auf bewährte Kräfte wie Mia Vasic, Simona Grozdanovska, Aleksandra Abramovicz oder Torhüterin Anja Rossignoli zählen. Zudem kehrte Jenny Murer aus dem Ausland zurück und ebenfalls konnte die Brasilianerin Maria Paula Holtz Macedo verpflichtet werden. Mit weiteren Zuzügen hat Yellow vor allem mehr Breite beim Kader erhalten. Noch greifen die Automatismen aber nicht wie gewünscht ineinander. Doch Winterthur setzt alles daran, dass das letztjährige, erstmalige Vordringen in die ersten Vier zu keiner «Eintagsfliege» wird.


Brühl kommt bisher nicht wirklich auf Touren. Nach der Startniederlage gegen HV Herzogenbuchsee und dem Remis in Kreuzlingen tat man sich in Thun lange schwer. In Zürich konnte gegen GC Amicitia zwar der zweite Sieg in Serie eingefahren werden, doch die Truppe hat entschieden mehr Potenzial. Allerdings fehlten gegen die Zürcherinnen Malin Altherr und Martina Pavic verletzungsbedingt. Dazu muss Brühl mit Katarina Simova und Mathilde Schaefer weitere, verletzungsbedingte Ausfälle verkraften.


Entschieden mehr vom Start dürfte sich Rotweiss Thun erhofft haben. Im Vorfeld sprach Trainer Jakub Szymanski davon, dass er um die ersten drei Plätze mitspielen möchte. Diverse, teilweise gewichtige Abgänge konnte Thun beispielsweise mit den beiden Polinnen Natalia Krupa und Paula Mazurek oder der Slowenin Vanja Strajnar gut kompensieren. Und dennoch findet man das Team aktuell auf dem letzten Platz der Tabelle. Allerdings ging die Begegnung in Herzogenbuchsee äusserst knapp verloren, gegen Brühl führte man sogar mal mit neun Toren Differenz, gegen Yellow schaffte Rotweiss nun aber nach einem Viertorrückstand zur Pause doch den ersten Zähler.


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