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Schweiz mit Gala an die EM

Die Schweizer Frauen fahren erstmals an eine Europameisterschaft! Mit einem 34:18-Heimerfolg gegen Litauen lieferten sie am Sonntag ein Gümligen eine Glanzleistung ab,


Reto Pfister

Die Schweizerinnen jubeln nach der geschafften EM-Qualifikation. Foto: Alexander Wagner


Die Chance kam, nachdem Russland wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine aus der EM-Qualifikation ausgeschlossen wurde. Und die Schweizerinnen packten sie, und wie. In einer Art, wie man sie nicht für möglich gehalten hätte. Ein Heimremis in Gümligen gegen Litauen hätte gereicht, es wurde eine Gala. Mit 34:18 besiegte das Team von Cheftrainer Martin Albertsen die Baltinnen, fährt erstmals an eine EM. Es folgten Jubelszenen, die es nach einem Länderspiel der Schweizerinnen wohl noch nie gegeben hat. Die stetige Weiterentwicklung in den letzten Jahren hatte zum Resultat geführt, dass das Team im richtigen Moment sein Leistungsvermögen abrief. Und dies in einer Art, mit der Schweiz absolut verdient als EM-Teilnehmerin feststeht.


Das Spiel gegen Litauen zeigte auch, wo die Stärken dieses Teams liegen. Es ist nicht von einzelnen Spielerinnen abhängig, sondern breit abgestützt. Xenia Hodel etwa, im Hinspiel in Klaipeda mit 12 Treffern noch die überragende Akteurin, setzte diesmal wenige Akzente. Umso stärker agierten dafür in Gümligen Spielmacherin Kerstin Kündig (11 Tore) und die erst 17-jährige Rechtaussen Mia Emmenagger (8). Die Schweizerinnen agierten anfangs noch etwas nervös, führten in der Pause erst 12:10. Ehe sie dann in der zweiten Halbzeit richtig ins Rollen kamen und die Litauerinnen richtiggehend deklassierten. Symbolisch für den Spielverlauf war eine Szene kurz vor Schluss, als die Litauerin Dovile Ilciukaite der Schweizer Torhüterin Manuela Brütsch während des laufenden Spiels anerkennend auf die Schulter klopfte.


«Es ist wunderschön und gleichzeitig surreal, dass wir jetzt an eine EM fahren können», meinte Kerstin Kündig nach dem Kantersieg. Und sie blickte auf die Entwicklung in den letzten Jahren zurück. «2019 haben wir Litauen noch nach einem zähen Spiel mit einem Tor Differenz besiegt, jetzt dominieren wir dieses Team. Dies zeigt, wie wir uns entwickelt haben.» Drei Faktoren hätten dazu geführt. Einerseits die Arbeit von Trainer Albertsen. «Er hat uns eine neue, professionelle Struktur verpasst, ihm gebührt ein Riesenlob», sagte Kündig. Er habe auch dafür gesorgt, dass der Stellenwert des Nationalteams heute ein ganz anderer als noch vor wenigen Jahren sei. Anderseits sei die CONCORDIA Handball-Akademie zu nennen, durch die zahlreiche junge Spielerinnen früh den Weg in die Nationalequipe finden würden. Und die Tatsache, dass zahlreiche Schweizerinnen den Weg ins Ausland finden und dort dauerhaft auf hohem Niveau gefordert sind. Kündig ist das beste Beispiel dafür. Sie spielt für den Thüringer HC; einen der renommiertesten Bundesligaklubs.


EM etwas früher als üblich

Die EURO 2022 findet vom 4. bis 20. November in Slowenien, Nordmazedonien und Montenegro statt. Etwas früher als üblich im Herbst; die EHF weicht damit der Fussball-WM in Katar aus, die am 21. November beginnt. Es ist die letzte, an der nur 16 Teams teilnehmen. 2024 sind dann erstmals 24 Nationen am Start, die Schweiz ist als Co-Gastgeberin neben Österreich und Ungarn bereits qualifiziert. Diese EM war nach der Vergabe als das grosse Fernziel angesehen worden, auf das hingearbeitet werden sollte, Nun sind die Schweizerinnen schon zwei Jahre früher mit dabei. Und können unbelastet aus einer Aussenseiterposition heraus angreifen.

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