Schweizerinnen bleiben gegen Norwegen chancenlos


Mia Emmenegger traf für die Schweiz fünf Mal.


Beim zweiten EM-Auftritt setzte es für die Schweiz gegen Norwegen eine klare 21:38 (9:19)-Niederlage ab. Beim Spiel gegen das aktuell wohl Beste, was der Frauenhandball zu bieten hat, musste das Team von Trainer Martin Albertsen einiges an Lehrgeld bezahlen. «Wir gingen ins Spiel mit dem Wissen, dass wir auf ein Topteam treffen und nichts zu verlieren haben», resümierte Mia Emmenegger, die mit ihren fünf Treffern, die beste Schweizer Torschützin war, hinterher. Nach den 60 gespielten Minuten ist ihr bewusst: «Wir können eine ganze Menge an Videomaterial aus dieser Partie nehmen, um daraus zu lernen.» In der Tat: Norwegen bot den Schweizerinnen einiges an Anschauungsunterricht. Der erste, aber auch der zweite Anzug der Skandinavierinnen zeigte, weshalb dieses Team zurecht als einer der ganz grossen Titelanwärter gehandelt werden muss.


Text: Ernesto Piazza Bild: kolektiffimages.com


Gegen Norwegen setzte der Schweizer Headcoach konsequent auf das Spiel «sieben gegen sechs». In der ersten Hälfte wirkte dieses allerdings zu ungeduldig. Zudem vernagelte Torhüterin Silje Solberg im ersten Umgang ihren Kasten und wurde am Ende als beste Spielerin ausgezeichnet. Nach der Pause praktizierte die Schweiz dieses taktische Element mit mehr Geduld. Aber auch Katrin Lunde, die zweite norwegische Torfrau, stellte ihre Qualitäten unter Beweis, war ebenfalls dafür verantwortlich, dass die Schweizerinnen weitere gute Chancen liegenliessen. «Wir spielten gegen die beiden wohl besten Torhüterinnen der Welt, was für uns die Sache nicht einfacher machte», erklärte Albertsen hinterher. Dennoch sah der Däne das Spiel seines Teams «sehr positiv» und betonte den Entwicklungsprozess, in dem die junge Truppe steckt. Zum «sieben gegen sechs» sagte er: «Um gegen so eine Mannschaft eine Chance zu haben, müssen wir eine Spielerin mehr sein.»


Daphne Gautschi wird von der norwegischen Abwehr gestoppt.


«Wir haben künftige Schweizer Stars im Team»

Doch die Norwegerinnen spielten ihr grosses Rendement gegen die Schweiz gnadenlos aus. Sei es individuell, aber auch im Kollektiv. Bereits nach zehn Minuten lag der amtierende Welt- und Europameister mit sechst Toren vorne. Und schlichen sich – wie in der Mitte der zweiten Hälfte – einige technische Fehler in ihr Spiel ein, nahm Headcoach Thorir Hergeirsson ein Timeout. Bei Norwegen sass sowohl der erste wie auch der zweite Anzug. Auf der anderen Seite wechselte Martin Albertsen früh durch. Dadurch kamen auch Spielerinnen wie die Zugerin Leah Stutz oder Steffi Eugster, die «Buchsi»-Kreisläuferin, zu ihrem EM-Debüt.


Obwohl es an der klaren 21:38-Niederlage nichts zu deuteln gibt, ist der Däne überzeugt, dass in der Truppe viel Potenzial steckt. «Wir haben künftige Schweizer Stars im Team. Das macht mich extrem happy.» Sehr zufrieden war der Däne auch mit Torhüterin Lea Schüpbach. «Sie hat gekämpft und einen tollen Job gemacht. Deshalb habe ich sie auch an die Pressekonferenz mitgenommen.» Sie fand: «In der zweiten Hälfte haben wir besser gespielt, besser zusammengearbeitet und so in der Verteidigung einige Bälle abfangen können.» Trotzdem sei es für die Deckung sehr schwierig gewesen, gegen ein solches Team wie Norwegen zu spielen.


Viele gute Sachen mitnehmen – trotz hoher Niederlage

«Wir gingen ins Spiel mit dem Gedanken, dass wir nichts zu verlieren haben», sagte auch Xenia Hodel nach Spielende. In der ersten Hälfte hätten sie aber irgendwie auf Resultat spielen wollen, was jedoch nicht das Konzept gewesen sei, bemängelt die Spono-Rückraumspielerin. Nach der Pause habe sich der Knopf gelöst. «Und wir kamen zu unseren Chancen, konnten sie aber leider nicht immer nützen», so die vierfache Torschützin. «Wir zeigten eine Reaktion, haben aber festgestellt. dass Norwegen schon noch auf einem anderen Level spielt.»


Und Kerstin Kündig erklärte hinterher: «Wir haben uns darauf eingestellt, auf ein übermächtiges Team zu treffen.» Dier Niederlage sei zwar hoch ausgefallen, «trotzdem können wir viele gute Sachen aus dieser Partie mitnehmen». Die Schweizer Spielgestalterin erwähnte eine «sehr gute Goalie-Leistung – ebenfalls auf unserer Seite». Und sie hätten phasenweise im «sieben gegen sechs», was ihr Gameplan gewesen sei, wirklich schöne Situationen herausgespielt. Mit dem Manko allerdings, diese (noch) zu wenig konsequent zu verwerten.

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