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Schweizer erringen in Kroatien einen Achtungserfolg

  • 23. März
  • 3 Min. Lesezeit

Eine klare Niederlage und ein bemerkenswertes Remis. Die Schweiz zeigt in den beiden Testspielen in Kroatien verschiedene Gesichter. Trainer Andy Schmid ist stolz, hat aber auch Grund zur Sorge.


Samuel Zehnder erzielte im zweiten Spiel zehn Tore.


Für einen Moment wird es still auf den Tribünen der prall gefüllten Halle, bei Kroatien und seinem Trainer Dagur Sigurdsson überwiegen Ärger und Frust. Die Schweiz erzielt durch Manuel Zehnder in der letzten Sekunde den 35:35-Ausgleich, das Testspiel in Osijek vor 3500 Fans endet am letzten Samstag ohne Sieger. Das ist nicht jenes Ergebnis, welches sich der gastgebende Favorit vorgestellt hat, zumal er sich zwei Tage zuvor im ersten Aufeinandertreffen vor 7500 Zuschauern in Zadar noch mit 34:26 standesgemäss durchgesetzt hatte.


Ein Unentschieden im Land des WM-Zweiten 2025 und EM-Dritten 2026 ist für die Schweiz zweifellos ein Achtungserfolg, erst recht mit Blick auf die Absenzenliste, die mit Luca Sigrist, Mehdi Ben Romdhane, Luka Maros, Noam Leopold und dem frischgebackenen Vater Samuel Röthlisberger fünf wichtige Namen enthielt. «Das war überzeugend», sagt Nationaltrainer Andy Schmid, «schliesslich sind wir uns bewusst, wer auf der Gegenseite steht.» Kroatien lief praktisch mit allen Superstars auf, von Kuzmanovic und Nacinovic über Cindric und Martinovic bis hin zu Srna und Sostaric.


Lukas Laube kommt in der Nationalmannschaft wieder zu mehr Spielzeit.


Eggimann und Sarlos geben Länderspiel-Debüt

Eine stabile Defensive war die Basis des Erfolgs, darüber hinaus vermochten die Schweizer im Vergleich zum ersten Spiel die offensive Fehlerquote markant zu reduzieren. Sind sie in Zadar in der zweiten Hälfte noch überrollt worden, boten sie dem internationalen Schwergewicht in Osijek während der gesamten Spielzeit ein Duell auf Augenhöhe. Schmid nutzte die Gelegenheit, und experimentierte sowohl in taktischer als auch personeller Hinsicht. Hinten testete er mit dem 5-1-System und Joël Willecke als Abfangjäger eine zweite Abwehrvariante.


Vorne forcierte er das 7-6-Angriffsspiel und gelangte zur Erkenntnis, dass Felix Aellen auf Rückraum Mitte und Manuel Zehnder im linken Aufbau gut miteinander harmonieren. Neu im Aufgebot standen Tim Rellstab, Nikos Sarlos und Nico Eggimann, wobei die beiden Letztgenannten zu ihren Länderspiel-Debüts kamen. «Alle haben die Sache gut gemacht und Akzente gesetzt. Wenn neue Spieler sofort mitschwimmen, zeigt dies, dass wir als Mannschaft funktionieren», erklärt Schmid. Sogar herausragend war Samuel Zehnder, der in Spiel zwei mit zehn Toren und einer Trefferquote von 100 Prozent eine Weltklasse-Leistung ablieferte.


Diese Akteure brauchen mehr Spielpraxis

Weniger ermutigend war die Leistung von Nikola Portner im Tor, der Captain kam in Kroatien mit Fangquoten von 14 beziehungsweise 17 Prozent überhaupt nicht auf Touren. Für den SC Magdeburg hat der 32-Jährige seit seinem Comeback kein einziges Spiel gemacht. Auch Manuel Zehnder (Magdeburg), Lenny Rubin (Stuttgart) und Lukas Laube (Kiel) kommen im Liga-Alltag gegenwärtig zu wenig Spielzeit. Das sorgt bei Schmid mit Blick auf den Mai und die WM-Playoffs gegen Italien für Unbehagen: «Wir brauchen Leuchttürme. Leute, die in ihren Vereinen Führungspositionen haben.»


Anders formuliert: Die Nationalmannschaft ist das Aushängeschild und kein Auffangbecken für Reservisten, um Spielpraxis zu sammeln. Mut macht die Rückkehr der Abwesenden, bis auf Ben Romdhane dürften im WM-Playoff alle wieder dabei sein. Das Heimspiel findet am Mittwoch, 13. Mai im Zürcher Hallenstadion (19 Uhr) statt, die Reprise am 17. Mai in Faenza (18 Uhr). Italien, das ein Testspiel mit einem dezimierten Aufgebot gegen Ungarn 19:30 verlor, ist der Aussenseiter, verfügt aber über das Potenzial, um für die Schweiz ein unangenehmer Gegner zu sein.

 

In der zweiten Partie erzielte Gino Steenaerts fünf Treffer.


Kroatien – Schweiz 34:26 (15:14)

Zadar. – 7500 Zuschauer (ausverkauft). – SR Brodic/Hodzic (Kro). – Strafen: 1-mal 2 Minuten gegen die Schweiz. – Schweiz: Seravalli (6 Paraden)/Portner (4); Meister, Rubin (2), Manuel Zehnder (6), Aellen (3), Kusio, Küttel (2), Steenaerts, Laube, Rellstab, Wanner (2), Eggimann (2), Samuel Zehnder (5), Willecke (4), Sarlos. – Bemerkungen: Schweiz ohne Sigrist, Ben Romdhane, Maros, Röthlisberger und Leopold. 100. Länderspiel von Lenny Rubin.


Kroatien – Schweiz 35:35 (17:16)

Osijek. – 3500 Zuschauer (ausverkauft). – SR Cindric/Gonzurek (Kro). – Strafen: 1-mal 2 Minuten gegen Kroatien, 2-mal 2 Minuten gegen die Schweiz. – Schweiz: Portner (6 Paraden)/Seravalli; Meister, Rubin (3), Manuel Zehnder (3), Aellen (4), Kusio (2), Küttel, Steenaerts (5), Laube (6), Rellstab, Wanner, Eggimann, Samuel Zehnder (10), Willecke (2), Sarlos. – Bemerkung: Schweiz ohne Sigrist, Ben Romdhane, Maros, Röthlisberger und Leopold.


Text: Stephan Santschi Bilder: Martin Deuring


 
 
 

1 Kommentar


zimiuno
23. März

Wieso wurde für das WM Playoff Heimspiel Schweiz-Italien, vom 13. Mai 2026, das wenig handballreundliche, veraltete Hallenstadion als Austragungsort ausgewählt? Wieso nicht AXA Winterthur oder Pilatus Arena? Ich schätze, dass weit weniger als 500 italienische Fans am Match in der Schweiz auf-marschieren. Der Spielbeginnt, 19 Uhr, ist wenig zuschauerfreundlich. Das tägliche Verkehrschaos in Zürich-Nord von 16 bis nach 19 Uhr ist Tatsache. Was verhindert den SHV daran jeweils bei einem Länderspiel (Frauen/Männer) ein Vorspiel (Exhibition Game, oder reguläres Meisterschaftsspiel) mit dem entgegengesetzten Geschlecht mit U20, U18-Spieler:innen anzusetzen. Das würde bestimmt 50-100 oder mehr zusätzliche, natürlich zahlende Zuschauer, in die Halle bringen. Zimi, 9050 Appenzell, zimiuno@bluewin.ch

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