Interview: «Unser Weg wird auch für Kopfschütteln sorgen»
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Der Schweizer Nationaltrainer Andy Schmid wird ab Sommer auch als Chef an der Seitenlinie des HC Kriens-Luzern stehen. Der 42-jährige Luzerner spricht über sein künftiges Doppelmandat, über Konfliktpotenzial und grosse Ziele.
Interview: Stephan Santschi Foto: Alexander Wagner

Nationaltrainer Andy Schmid ist überzeugt, dass sein Doppelmandat als Trainer vom HC Kriens-Luzern ab der Saison 2026/27 einen Mehrwert für den Schweizer Handball bringen wird.
Wie fielen die Reaktionen auf Ihr künftiges Engagement als Cheftrainer von Kriens-Luzern aus?
Andy Schmid: Es gab viele Reaktionen aus der Sportschweiz und der Handballwelt, sie waren sehr positiv. Aber diejenigen, welche es kritisch sehen, würden sich wohl auch nicht direkt melden. (schmunzelt)
Sie sind seit März 2024 Schweizer Nationaltrainer. Weshalb streben Sie nun nach einem Doppelmandat?
Vor über zwei Jahren sprang ich ins kalte Wasser, seither schwimme ich mit Begeisterung. Aber: Ich muss weiterkommen, ich spüre es. Mein Wunsch, nicht nur im stillen Kämmerchen, sondern auch in der Praxis wieder täglich mit Handball beschäftigt zu sein, wurde immer grösser. Der Moment ist gekommen, um meine persönliche Entwicklung voranzutreiben. Wenn ich im Liga-Alltag stehe, lerne ich täglich dazu und werde ein besserer Trainer. Es ist der richtige Zeitpunkt, auch weil ich meine Ausbildung mit dem Berufstrainerlehrgang und dem EHF Mastercoach abgeschlossen habe.
Ein Doppelmandat als National- und Klubtrainer ist im Handball nichts Aussergewöhnliches. Trotzdem taten sich der SHV und die QHL zunächst sehr schwer damit, weil Interessenskonflikte befürchtet wurden.
Ich sehe die kritischen Stimmen, es gibt ein gewisses Konfliktpotenzial. Doch das gab es auch, als ich als designierter Nationaltrainer ein Jahr lang als Spieler von Kriens-Luzern gegen Sportler im direkten Zweikampf auflief, die ich später aufbieten wollte. Ich vertraue meiner Integrität und meinen Werten, die ich als Spieler hatte und nun auch als Trainer haben werde. Es gibt viel mehr Chancen als Risiken. Wenn man miteinander redet, ist alles lösbar. Zudem sind wegen der Vorbehalte in meinem Vertrag klare Leitplanken gesetzt worden.
Drei Punkte sind dabei zentral: Kriens-Luzern darf keine Nationalspieler verpflichten. Thomas Zimmermann wird als Co-Trainer der Schweiz zurücktreten, wenn er weiterhin im Staff des HCKL bleibt. Und wichtige SHV-Termine haben Priorität.
Es ist nicht der «Courant normal», unser Weg wird auch für Kopfschütteln sorgen, weil wir es in der Schweiz so noch nie gemacht haben. Doch mein Doppelmandat wird dem Sport, der Liga, der Nationalmannschaft und mir selbst einen Mehrwert bringen. Wir kämpfen im Handball um möglichst viel Aufmerksamkeit. Ich bin überzeugt, dass es hilft, wenn der Nationaltrainer auch im Liga-Alltag engagiert ist. Die meisten Nationalspieler sind ohnehin im Ausland und nicht in der NLA engagiert. Klar, wenn ein Nationalspieler in seinem Klub unzufrieden ist, habe ich einen Wissensvorsprung. Das darf ich aber nicht für Kriens-Luzern ausnützen.
Sie hätten Ihre Premiere als Klubtrainer auch im Ausland machen können, an Angeboten dürfte es nicht gemangelt haben.
Kriens liegt vor meiner Haustüre, und passt deshalb wie die Faust aufs Auge. In meiner Karriere habe ich immer nach dem Motto «Family first» entschieden. Deshalb spielte ich zwölf Jahre bei den Rhein-Neckar Löwen und ging nicht für mehr Geld nach Ungarn oder Spanien. Meine grösste Verantwortung habe ich zu Hause als Familienvater, diese möchte ich mit meinen sportlichen Ambitionen unter einen Hut bringen.
Welche Ziele haben Sie mit Kriens-Luzern?
Der Verein hat sich in den letzten Jahren unglaublich entwickelt, ich habe richtig Lust auf diese Aufgabe. Das Ziel muss die Spitze sein, mittelfristig sind Champions-League-Abende vor 4000 Zuschauern gegen Topteams wie die Füchse Berlin unser Ziel. Mit der Region, dem Verein und der Halle kann dies möglich werden. Wir möchten das Maximum herausholen, dabei aber nie den Boden unter den Füssen verlieren.
Und mit dem Nationalteam?
Unsere Mannschaft hat sehr viel Potenzial. Das haben wir in den vergangenen Jahren gezeigt. Der Grat ist aber schmal. Wir können und wollen mit den Besten der Welt mithalten und sie auch am Tag X bezwingen. Es wird wichtig sein, dass möglichst viele Nationalspieler in ihren Vereinen Führungsrollen haben. Am Ende möchten wir auf und neben dem Feld begeistern. Wir sind auf einem sehr guten Weg, Grenzen möchte ich uns keine setzen.
Welche Bereiche in Ihrer Verbandsarbeit fallen künftig weg?
Ich werde mich weiterhin voll einbringen, bin aber sicherlich nicht mehr in jedes Thema integriert. Ich habe einen sehr guten Draht zu Manuel Liniger und Ariane Pejkovic. Als Verantwortliche im Leistungssport ist Ariane ein Mitglied der Geschäftsleitung. Unsere Zusammenarbeit funktioniert super. In der Männer-Akademie im OYM werde ich jeweils am Donnerstag das Training leiten. Auch da habe ich mit Lukas von Deschwanden einen Partner an der Seite, welcher die zentralen Aufgaben einwandfrei bearbeiten wird.




















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