Lange an der Sensation geschnuppert

Am Ende waren es einige technische Fehler zu viel, wie sie auch Headcoach Martin Albertsen bei seinem Timeout nach 51 Minuten monierte. Mit diesen unnötigen Ballverlusten erlaubte die Schweiz den Ungarinnen der Begegnung mit vier Treffern in Folge – vom 24:23/49. zum 24:27/52. – die entscheidende Wende zu geben. Am Ende resultierte eine 28:33 (14:12)-Niederlage. Beim ersten Spiel an einer EM-Endrunde überhaupt, verpassten es die Schweizerinnen, sich für einen guten und vor allem sehr beherzten und engagierten Auftritt mit einem happy-end zu belohnen.


Text: Ernesto Piazza Bild: kolektiffimages



Tabea Schmid überzeigte mit 6 Treffern.


Albertsen haderte hinterher denn auch zurecht mit diesen Momenten, welche das Spiel in eine für die Schweiz «falsche» Richtung lenkten. Machte man in der ersten Hälfte noch vier technische Fehler, waren es in den zweiten dreissig Minuten deren elf. «Das ist tödlich gegen eine so überragende Mannschaft wie Ungarn.» Umso ärgerlicher sei es, so Albertsen, «weil wir alle das Gefühl hatten, dieses Team definitiv extrem ärgern zu können.» Und sie hätten gehofft, sollte die Partie am Ende noch eng sein, «diese sogar auf unsere Seite zu kippen.».


Spiel «sieben gegen sechs» klappte nicht wie gewünscht

Von Beginn weg bewegten sich die Schweizerinnen mit dem klaren Favoriten Ungarn mehr als auf Augenhöhe. Der Brühlerin Tabea Schmid war es nach knapp zwei Minuten vergönnt, das erste Schweizer EM-Tor-Endrundentor zu werfen. Überhaupt funktionierte das Spiel über den Kreis – speziell in der ersten Hälfte – extrem gut. Die Schweizerinnen agierten abgeklärt, verfolgten ihren Gameplan. Die Ungarinnen ihrerseits zeigten Nerven, waren offensichtlich überrascht von der starken Vorstellung des EM-Neulings. Ärgerlich war sicherlich auch, dass in den spielentscheidenden Momenten der Partie das Spiel sieben gegen sechs – ansonsten eine Stärke – nicht wie gewünscht klappte. Dies ermöglichte Ungarn in der Crunchtime zu einfachen Toren zu kommen, die letztlich für die Differenz sorgten.


Und dennoch: Der Auftritt dieser jungen Truppe verdient Respekt und muss für die künftigen Aufgaben Mut machen. So traf Nuria Bucher von den Spono Eagles fünf Mal bei ebenso vielen Versuchen mittels Siebenmeter. Ihre Vereinskollegin Mia Emmenegger agierte auf dem rechten Flügel frech und unbekümmert. Das sah auch Martin Albertsen so. «Ich bin begeistert, wie die beiden 17-Jährigen in das Spiel gingen und die Bälle einer Champions-League-erfahrenen Top-Torfrau reinhauten.»



Lea Schüpbach hielt mit ihren 8 Paraden das Schweizer Team im Spiel.


Selbstkritik spricht für das junge Team

Trotzdem sprach Mia Emmenegger hinterher von einer «verpassten Chance». Und die Linkshänderin haderte ebenfalls wegen den drei, vier Minuten, wo «die Konzentration bei uns ein wenig nachliess.» Das sei sehr schade, «weil wir über lange Zeit die bessere Mannschaft waren.» Kerstin Kündig sprach von einer «ärgerlichen Niederlage». Schade sei, «dass uns die drei, vier Minuten in denen wir uns nicht an das Konzept hielten, die beiden Punkte kosteten. Mit Ausnahme dieser Phase dürfen wir aber sehr stolz auf unsere Leistung sein.» Dieses Spiel habe aber auch gezeigt, dass es nur, ein zwei Sachen brauche, um in der nächsten Partie eine noch bessere Leistung abzurufen.


Es war das Kollektiv, welches gegen Ungarn über weiteste Strecken der Begegnung überzeugte. Das mag auch zu verdeutlichen, dass mit Tabea Schmid (6), Mia Emmenegger, Nuria Bucher und Daphne Gautschi (alle 5), Alessia Riner (2) sowie Kerstin Kündig und Charlotte Kähr (je 1), diverse Spielerinnen erfolgreich waren. Aber auch mit einer agilen Deckung machten die Schweizerinnen den Ungarinnen das Leben zuweilen schwer. Und Lea Schüpbach entschied das Torhüterinninnen-Duell ebenfalls für sich. Dass die Schweizerinnen nach diesem Auftritt, bei dem definitiv mehr drin gelegen wäre, selbstkritisch mit sich umgingen und nicht zufrieden waren, spricht für dieses junge Team. Und es spricht auch für den Reifeprozess, den diese Truppe in den letzten zwei, drei Jahren vollzogen hat.


Telegramm

Ungarn - Schweiz 33:28 (12:14)


Schweiz: Schüpbach (8 Paraden)/Brütsch; Wick, Kündig (1), Frey, Schmid (6), Emmenegger (5), Gautschi (5), Hodel, Hess, Kähr (1), Riner (3), Altherr (2), Bucher (5/5).


Strafen: 2mal 2 Minuten gegen Ungarn, 3mal 2 Minuten gegen die Schweiz.


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