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Nun braucht die Schweiz ein Wunder


Slowenien bezwingt Schweden überraschend mit 21:19 und trifft am Dienstag im letzten Spiel der EM-Vorrunde auf die Schweiz. Die SHV-Auswahl benötigt wohl einen Sieg mit mindestens acht Toren Differenz, um weiterzukommen.

Text: Stephan Santschi / Bild: Katja Bopp

Es war eine gefühlsbetonte Sache für die Slowenen am Sonntag in der Scandinavium-Halle von Göteborg. Vor dem Spiel wurde ihr Trainer Ljubomir Vranjes vom schwedischen Publikum gefeiert, schliesslich ist er trotz seines Jobs beim Gegner einer von ihnen. Der 46-jährige Vranjes ist Schwede, wuchs in einem Göteborger Vorort auf und war als Spieler Teil der goldenen Generation, die Schweden zu Titeln an Welt- und Europameisterschaften führte. "Ich habe nicht geweint, aber ich war sehr emotional. Für diese Sympathien möchte ich mich bei allen bedanken", sagte Vranjes gerührt. Nach dem Spiel gab der slowenische Spielmacher Dean Bombac den Medien Auskunft und hielt fest: "Hier zu gewinnen, vor 12'000 Zuschauern – das ist einer unserer schönsten Siege überhaupt."

Tatsächlich war es spektakulär, was die Slowenen in ihrem zweiten Gruppenspiel gegen den Gastgeber gezeigt hatten. Nicht in offensiver Hinsicht, das verrät bereits das torarme Schlussergebnis von 21:19, sondern mit einer nahezu perfekten Darbietung in der Defensive. Die Schweden, die zwei Tage zuvor die Schweiz mit 34:21 überrannt hatten, fanden nie ein nachhaltiges Rezept gegen die ungemein robuste Verteidigung der Slowenen. Blaz Blagotinsek (2,02 m/120 kg), Borut Mackovsek (2,03 m/100 kg), Nik Henigman (2 m/100 kg) und Igor Zabic (2,01 m/110 kg) bildeten eine regelrechte Abwehrwand und dahinter stand, wie schon beim 26:23-Startsieg gegen Polen, der starke Torhüter Klemen Ferlin: "Wir erlaubten Schweden keine Kontertore und keine freien Würfe", sagte Ferlin. "Das und etwas Glück waren die Schlüssel zum Sieg."

"Schweiz ist kein so grosses Problem"

Damit stehen die Slowenen vor dem letzten Vorrunden-Spieltag in der Gruppe F auf dem ersten Platz – mit besten Aussichten auf den Gruppensieg. Sollten die Schweden am Dienstag gegen Polen gewinnen, wovon auszugehen ist, dann brauchen die Schweizer gleichentags gegen die Slowenen (18.15 Uhr, live auf SRF zwei) einen Sieg von mindestens acht Toren Differenz, um an ihrer Stelle in die Hauptrunde einzuziehen. Dies dürfte unmöglich sein. "Die Schweiz sollte für uns kein so grossesProblem darstellen. Wir haben alles in den eigenen Händen", meinte Spielmacher Bombac selbstbewusst.

Die Slowenen wirken in der Tat wie befreit, seit ihr unzimperlicher und polarisierender Trainer Veselin Vujovic Ende November 2019 freigestellt worden ist. Seither liegt die Verantwortung an der Seitenlinie bei Vranjes, der an der letzten EM 2018 noch das Nationalteam der Ungarn gecoacht hatte. Der 1,66 Meter grosse Übungsleiter war selber ein begnadeter Spielmacher und trotz der nur 21 Tore gegen die Schweden deutete Slowenien auch im Angriff sein grosses Potenzial an. Neben dem wirbligen Regisseur Bombac sorgten im Aufbau der stämmige Borut Mackovsek und der dynamische Barcelona-Profi Jure Dolenec für Durchschlagskraft. "Wir haben Charakter und keine Probleme mit dem Druck", betonte Bombac und fügte an: "Wir haben an dieser EM grosse Träume." Sprich, den Sprung in die Medaillenränge. Wer die Slowenen gegen Schweden spielen sah, traut ihnen das durchaus zu.

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