NEWS

«Solche Krisen schweissen zusammen»

October 13, 2016

 

Manuela Brütsch hütet mit viel Leidenschaft das Handballtor. Mittlerweile

spielt sie in Bad Wildungen bereits ihre fünfte Saison. Doch nicht nur beim Bundesligisten ist sie zur Integrationsfigur geworden.

 

Vergangene Woche weilte Manuela Brütsch wieder mal in der Schweiz. In Schaffhausen stand ein Trainingslehrgang der Nationalmannschaft auf dem Programm. «Ich habe die Zeit erneut sehr genossen», sagt die unbestrittene Nummer eins im Schweizer Tor während ihrer rund fünfstündigen Fahrt nach Bad Wildungen. Die im Bundesland Hessen gelegene Kleinstadt mit zirka 20'000 Einwohnern ist seit 2012 das handballerische Zuhause der 32-Jährigen.

 

Und Brütsch geht mit «guten Gefühlen» wieder zurück in den Bundesliga-Alltag. Es sei eine «sehr zufriedenstellende» Woche gewesen, sagt sie. Obwohl der Mannschaft durch die Rücktritte von Nicole Dinkel und Rahel Furrer einiges an Potenzial und Routine verlorenging. Und die neuen, jungen Spielerinnen noch etwas Zeit brauchen, um sich an das internationale Niveau zu gewöhnen. «Sie haben sich aber bereits gut integriert», findet die Nummer 1 mit der Nummer 12. Diesen Eindruck bestätigte auch der Test gegen das Team aus Neckarsulm. Die Mannschaft aus der 1. Bundesliga trat zwar nicht komplett an, dennoch sprach Brütsch von einem «sehr gelungenen Auftritt.» Dass der Verband in der Person von Jesper Holmris auf eine langfristige Trainerlösung setzt, lasse zudem eine kontinuierliche Aufbauarbeit zu.

 

Verein stand kurz vor der Insolvenz

In Bad Wildungen ist die ehrgeizige Manuela Brütsch mittlerweile – wie in der Schweizer Nationalmannschaft - zu einer Integrationsfigur geworden. Und das kommt nicht von ungefähr: Die erste Saison sei sehr schwierig gewesen, erinnert sie sich nämlich. «Damals hatte der Verein grosse finanzielle Probleme und stand kurz vor der Insolvenz.» Für die Schweizerin stand allerdings nie in Frage, das zu sinken drohende Schiff zu verlassen. «Solche Krisen schweissen zusammen», sagt sie. Und wer die Torhüterin kennt, der weiss auch mit welcher Leidenschaft sie ihren Sport lebt: Deshalb ist naheliegend, dass die 32-Jährige speziell in diesen Momenten kämpfte und viel Herzblut in die Überlebensmission des Vereins investierte.

 

Heute wisse sie, wofür sie gearbeitet habe. Denn die darauffolgenden, positiven Zeiten gaben ihr Recht «und machten mich auch ein wenig stolz.» Der damalige Entscheid, weiter auf die Bad Wildungen Vipers zu setzten, war richtig. Aus dieser Zeit sind neben Manuela Brütsch noch drei Mitspielerinnen, darunter ihre Trainerin Tessa Bremmer (auch Kreis) dabei. Mit der Holländerin spielen fünf weitere Akteurinnen aus dem Land des aktuellen Vize-Weltmeisters bei den Vipers. Weiter kommen eine Spielerin aus Ungarn und eine aus Rumänien dazu. Das funktioniere gut, sagt Manuela Brütsch. «Man lernt dadurch auch andere Kulturen kennen.»

 

Kein optimaler Saisonstart

Weniger gut ist für die Vipers hingegen der Saisonstart verlaufen. Mit nur einem Punkt aus vier Begegnungen sei man nicht ganz im Soll, weiss die 110-fache Schweizer Nationalspielerin. Doch sie relativiert: Gegen Celle habe man klar geführt, um dann noch eine unglückliche Eintore-Niederlage zu kassieren. In Dortmund liessen die Vipers am Ende den zweiten Punkt buchstäblich liegen. «Vor der Partie wären wir zwar mit dem Unentschieden zufrieden gewesen», sagt Brütsch. «Den Sieg jedoch zweimal kurz vor Schluss zu verspielen, hätte nicht passieren dürfen», ärgert sie sich. Bei der Klatsche gegen das momentan beste Team der Liga aus Bietigheim sei man hingegen ohne Chance geblieben, weiss die Schweizerin, die jeweils am Morgen mit einem 50-Prozent-Pensum in einer Reha-Klinik als Sporttherapeutin arbeitet. So bleibt ihr genügend Zeit für den Handball. «Das ist ideal für mich.»

 

Das Kader der Vipers ist zwar schmal und recht jung. Trotzdem sagt Manuela Brütsch, die in den vergangenen vier Jahren in Bad Wildungen einiges erlebt hat. «Wir dürfen unseren Start nicht überbewerten. Die Saison ist noch jung. Ich bin überzeugt: Wir erhalten die Klasse.»

 

Ernesto Piazza

 

Please reload

Featured Posts

I'm busy working on my blog posts. Watch this space!

Please reload

Recent Posts

February 24, 2020

Please reload

Archive