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Schweizer sind Norwegens Power nicht gewachsen

Die Schweiz zeigt auch im zweiten Spiel an der Weltmeisterschaft in Ägypten einen guten Auftritt. Trotzdem verliert sie mit 25:31 – weil sie gegen Norwegens Rückraum kein Mittel findet.


Stephan Santschi




Goalie Nikola Portner parierte in der zweiten Halbzeit zahlreiche Würfe der Norweger. Spielmacher Andy Schmid setzte seine Teamkollegen mit präzisen Pässen in Szene. Flügelspieler Marvin Lier und Kreisläufer Alen Milosevic waren abgezockt im Abschluss, beide trafen jeweils sieben Mal ins Netz. «Es ist ein riesiges Erlebnis, an dieser WM zu spielen. Wir haben gegen ein Weltklasseteam bewiesen, dass wir auch hierhergehören», schwärmte Lier nach Spielschluss. Nur: Für eine Überraschung gegen den Vize-Weltmeister aus Norwegen sollten diese Highlights im Schweizer Spiel nicht ausreichen. 25:31 ging das zweite Vorrundenspiel an der WM in Ägypten verloren, eine Überraschung war nicht in Reichweite gerückt. Neben dem Licht gab es im Spiel der Schweizer nämlich auch Schatten und davon braucht es auf diesem Level nicht viel, um ein Spiel zu verlieren. Oder anders formuliert: «Wenn wir etwas herankamen, hat Sander Sagosen einfach wieder einen reingehauen. Da kann man nur gratulieren», meinte Lier mit Bezug auf den Superstar der Norweger. Schweiz startet furios Doch alles der Reihe nach. Der 28:25-Startsieg gegen Österreich hatte den Schweizern Mut verliehen, gegen den Favoriten aus Skandinavien inszenierten sie sogar ein kleines Startfurioso. Aurel Bringolf, der für Portner zwischen den Pfosten begann, gelangen ein paar frühe Paraden und vorne zogen die Angreifer mit viel Unbeschwertheit Richtung gegnerisches Tor. 5:3 führte die Schweiz nach zehn Minuten, dann folgte die erste Baisse. Die Norweger, die nach dem verlorenen Startspiel gegen Frankreich (24:28) unter Zugzwang standen, liessen erstmals ihre Muskeln spielen, unterstützt von den beiden Schiedsrichtern aus Kroatien, die gegen Alen Milosevic und später auch gegen Andy Schmid zwei sehr fragwürdige Zeitstrafen aussprachen. Nach einer Viertelstunde hatte der Favorit das Skore gedreht, führte dank einem 6:0-Lauf mit 9:5. «Crème de la Crème des Welthandballs» Die Schweiz kämpfte sich aber zurück ins Spiel, kam bis zur 23. Minute nochmals auf einen Treffer heran (11:12), ehe die Norweger wieder auf das Gaspedal drückten und innert drei Minuten auf 15:11 davonzogen. Dasselbe Bild zeigte sich nach dem Seitenwechsel, als der 13:17-Pausenrückstand innert drei Minuten auf 14:21 anwuchs. «Wir spielen hier gegen die Crème de la Crème des Welthandballs, da kommt schon eine gewaltige Power auf unsere Deckung zu», stellte der Schweizer Nationaltrainer Michael Suter fest. Tatsächlich waren sie nicht zu halten, die Rückraumspieler des Gegners. Sagosen vor allem, der elf Mal traf, aber auch Harald Reinkind und Goran Johannessen. Oftmals ging es für die Schweizer Defensive gegen die formidabel eingespielten Norweger zu schnell, zu selten gelang es ihr, den Angriff mittels Foulspiel zu unterbinden. Im Angriff tat sich die SHV-Auswahl derweil schwer, Lücken zu generieren. Schmid führte zwar stark Regie, kam selbst aber nicht in den Abschluss. Und von den Halbpositionen kam kaum Unterstützung, Nicolas Raemy zog im rechten Aufbau sogar einen unglücklichen Tag ein. Erste WM-Tore für Ben Romdhane und Zehnder Am Ende müssen sich die Schweizer allerdings nicht viel vorwerfen lassen, bis zum Schluss kämpften sie um jeden Ball und hielten die Niederlage mit sechs Toren Differenz in einem akzeptablen Rahmen. Für die Schweiz sprach auch, dass Norwegen mit seinen besten acht Feldspielern praktisch durchspielte, auch Sagosen verliess das Parkett erst fünf Minuten vor dem Abpfiff. «Gegen ein Team wie die Schweiz könnte Norwegen eigentlich etwas Kraft schonen, doch sie konnten es eben nicht machen. Das Ergebnis hätte für uns noch ein wenig besser aussehen können, doch insgesamt war das eine sehr gute Leistung», sagte Suter stolz. Er selbst liess sämtliche 16 Akteure seines Aufgebots laufen, darunter auch den 19-jährigen Goalie Leonard Grazioli, sowie den 19-jährigen Mehdi Ben Romdhane und den 20-jährigen Samuel Zehnder, die beide ihr erstes WM-Tor erzielten. «Das spricht für unser Team, unsere junge Generation», freute sich Suter. Schweiz - Norwegen 25:31 (13:17) Madinat Sittah Uktubar. Keine Zuschauer. SR Gubica/Milosevic (CRO). Torfolge: 1:0, 2:2, 4:2, 5:3 (10.), 5:9 (16.), 7:9, 7:10, 9:10, 11:12 (23.), 11:15 (26.), 12:15, 12:17, 13:17; 14:18, 14:21 (33.), 17:21, 17:24, 25:31. Strafen: 6mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 2mal 2 Minuten gegen Norwegen. Schweiz: Bringolf (5 Paraden)/Portner (ab 31./8)/Grazioli (für 2 Penaltys); Schmid (1 Tor), Rubin (4), Tynowski (2), Svajlen, Lier (7/4), Sidorowicz (2), Raemy, Röthlisberger, Tominec, Zehnder (1), Milosevic (7), Novak, Ben Romdhane (1). Norwegen: Bergerud (11 Paraden)/Saeveras (1); Sagosen (11/4), Myrhol (2), Jakobsen (1), Jöndal (4), Björnsen (1), Johannessen (6), O'Sullivan (1), Reinkind (5). Bemerkungen: Schweiz ohne Meister (verletzt), Küttel (krank), Maros, Schelker (beide positiv auf Corona getestet) und Gerbl (überzählig).

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