Noam Leopold führt Torschützenliste in der Königsklasse an
Kriens-Luzern startet mit zwei Niederlagen in seine Champions-League-Premiere, hat aber intakte Chancen auf ein Weiterkommen. Daneben messen sich zwei Schweizer Nationalspieler im Direktduell – und ein Dritter wird zur grossen Figur.
Text: Stephan Santschi Bild: HBC Nantes
Die Krienser Handballer bauen ihren Rekord in der QHL weiter aus, mittlerweile haben sie auf nationalem Parkett saisonübergreifend 23 Spiele in Serie gewonnen. In seiner ersten Champions-League-Saison musste sich der Schweizer Meister aber in seinen beiden Start-Partien geschlagen geben. Zunächst setzte es beim polnischen Meister Kielce eine 29:30-Niederlage ab, anschliessend kassierte man zu Hause gegen den deutschen Champion Magdeburg eine 29:39-Abreibung. Damit stehen die Innerschweizer in der Gruppe F auf dem dritten von vier Plätzen. Dazu später mehr.
Sie war mit viel Spannung erwartet worden, die Krienser Premiere in der Königsklasse – letztmals hatten die Kadetten Schaffhausen vor sieben Jahren daran teilgenommen. «Wir werden nicht einfach nur mitmachen, sondern wollen dem Spiel den Stempel aufdrücken und unsere Marke hinterlassen», sagte Trainer Andy Schmid. Im Hexenkessel von Kielce machte der HC Kriens-Luzern denn auch eine gute Figur. Schmid hielt sein Versprechen, auch überraschende Elemente einzustreuen – zum Beispiel stürmte sein Team von Beginn weg im 7-gegen-6-System.

Der Nationaspieler Noam Leopold , HBC Nantes, führt derzeit die Toschützenliste in der Champions League an.
Krienser Chance auf den Titel: 0,09 Prozent
Das funktionierte ganz gut, nicht auf der Höhe war allerdings die Defensive, auch den Goodwill der Schiedsrichter müssen sie sich auf dieser Stufe erst erarbeiten. Zur Pause lag der HCKL mit 15:19 zurück, nach dem Seitenwechsel rückte er aber nahe an den Punktgewinn. Torhüter Kristian Pilipovic steigerte sich markant, vorne führte Spielmacher Jonas Schelker gekonnt Regie, der Ausgleich gelang jedoch nicht. Trotzdem reiste der Aussenseiter, dessen Aussichten auf den Gewinn der Champions League von den Buchmachern auf 0,09 Prozent beziffert wird, mit positiven Eindrücken nach Hause.
Weitaus grössere Chancen auf den Titelgewinn hat Magdeburg: Die Ost-Deutschen zählen erneut zu den Top-Favoriten, dieses Gütesiegel stellten sie auch in der mit 3´900 Fans fast ausverkauften Pilatus-Arena unter Beweis. Wie eine Naturgewalt rollten sie in der ersten Halbzeit über die inferioren Schweizer hinweg – den stupenden 1-gegen-1-Situationen und dem schnellen Umschaltspiel hatte der Gastgeber nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. 11:20 lag Kriens-Luzern nach 30 Minuten zurück und Schmid stellte fest: «Das ist die Realität, das ist nicht unser Niveau.»
Magdeburg-Trainer lobt das Krienser Ambiente
Erfreulich auch diesmal: Der HCKL gestaltete den zweiten Durchgang ausgeglichen und offenbarte gegen nicht nachlassende Magdeburger eine steile Lernkurve. Dumm nur, wenn ausgerechnet der vermutete Schwachpunkt beim Gegner über sich hinauswächst: Torhüter Matej Mandic avancierte mit 15 Paraden zum Mann des Spiels. Magdeburg-Trainer Bennet Wiegert schwärmte jedenfalls vom Auftritt seiner Auswahl und auch vom Gastgeber: «Es hat sehr viel Spass gemacht, hier in dieser Arena bei dieser tollen Stimmung zu spielen.»
Trotz zwei Niederlagen ist die Chance auf eine Klassierung in den Top 2 und das damit verbundene Weiterkommen in die Hauptrunde für die Krienser intakt. Dazu bedarf es im Oktober zweier Siege gegen den norwegischen Meister Kolstad, sowie den Gewinn des Direktduells mit Kielce, was im Bereich des Möglichen liegen sollte. «Verlieren ist nie schön, aber dieses Ergebnis ist für uns der Türöffner in diese Gruppe», meinte Schmid nach der knappen Auswärtsniederlage in Kielce.
Noam Leopold hat Nerven aus Stahl
Und sonst? Mischten vier Schweizer Nationalspieler mit ihren ausländischen Klubs in der Champions League mit: Noam Leopold (Nantes), Nikola Portner (Szeged), Manuel Zehnder (Gudme) und Luca Sigrist (Melsungen). Die überragende Figur war dabei Linksaussen Leopold: Gleich zweimal markierte der 24-jährige Weltklasse-Flügel vom Siebenmeterpunkt den Siegestreffer. Gegen Wisla Plock war die Zeit bereits abgelaufen, als er zum 26:25-Sieg traf. Auswärts gegen Vardar Skopje standen noch 15 Sekunden auf der Matchuhr, als er mittels Penalty zum 33:32-Sieg traf.
Generell gefällt Leopold mit seinen Auftritten in der Königsklasse, insgesamt erzielte er bei 24 Versuchen 19 Tore. Damit steht der 34-fache Internationale mit Superstar Mathias Gidsel auf Platz eins der Torschützenliste! Ebenfalls positiv in Szene setzte sich bisher Manuel Zehnder. Am zweiten Spieltag war der Rückraumspieler mit zehn Toren Gudmes Top-Torschütze und massgeblich am 36:34-Sieg gegen Szeged beteiligt. Goalie Portner kam im Duell der beiden Nationalteam-Kollegen hingegen nicht auf Touren und verzeichnete nur eine Fangquote von 15 Prozent.
Luca Sigrist schnuppert Königsklassen-Luft
Besser lief es Portner davor mit acht Paraden (38 Prozent Abwehrquote) beim Sieg gegen Kristianstad (42:31), während Gudme bei Sporting Lissabon, dem Favoriten der Gruppe D, trotz sechs Zehnder-Toren chancenlos war (33:43). Der vierte Schweizer im Bunde ist Luca Sigrist, der im Dress von Melsungen erstmals Champions-League-Luft schnupperte. Eine Hauptrolle hat der Spielmacher noch nicht, in den Kräftemessen mit Skopje (33:31) und Plock (24:25) erzielte er total vier Tore. Im Oktober folgen in der Gruppe B die beiden Duelle mit Leopolds Nantes.




















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