In Kiel lernte er von den Grossen
Sven Ehrig spielte beim grossen THW Kiel, nun soll er GC Amicitia Zürich als Leader anführen. Dabei kommt es im Spiel des 26-jährigen Deutschen zu einer markanten Umstellung.

1,97-Meter gross, 97 Kilo. Das sind durchaus Gardemasse für einen Rückraumspieler. Doch Sven Ehrig spielte über weite Strecken seiner bisher siebenjährigen Profikarriere am rechten Flügel. Das wird sich nun ändern, «das kam auch für mich ein wenig überraschend», gesteht der 26-jährige Deutsche und lacht. Bei GC Amicitia soll er nämlich eine tragende Rolle übernehmen, und das beinhaltet auch einen Positionswechsel. Der Linkshänder wird bei den Zürchern im rechten Aufbau spielen und soll die Mannschaft im Abschluss vielseitiger machen.
Dass er trotz physisch guten Voraussetzungen seinen Weg in den Leistungssport auf der Aussenposition machte, hängt mit seinem Stammklub zusammen, dem THW Kiel. Die Konkurrenz beim Topklub war gross und die Bereitschaft, einem hauseigenen Talent auf höchstem Level eine Chance zu geben, war am Flügel grösser als im Aufbau. Als 19-Jähriger debütierte der Sohn des ehemaligen Kieler Torhüters Thorsten Ehrig in der Bundesliga, war Teil der Auswahl, die einmal den Cup, dreimal die Meisterschaft und einmal die Champions League gewann.
Schlüsselrolle für den Kieler Jung
Stammspieler war er nicht, Einsatzzeit erhielt er aber sehr wohl, um Niclas Ekberg zu entlasten. Im Training profitierte er derweil von den grossen Namen um sich herum. «Das war sehr aufregend, die haben ein ganz anderes Auge fürs Spiel», erklärt Ehrig und meint etwa Torhüter Niklas Landin, der ihm erklärte, dass er anhand seines Sprungverhaltens sehe, wohin er jeweils werfe. Oder Domagoj Duvnjak, dem vorzüglichen Offensiv-Verteidiger. Im Sommer 2024 war für ihn allerdings Schluss beim THW, der «Kieler Jung» zog weiter, zu Holstebro in Dänemark.
Was er zuerst bedauerte, entpuppte sich als Chance zur Weiterentwicklung: «In Kiel stehen nur fertige Spieler im Kader, in Holstebro gab es auch viele Talente. Die Trainings waren daher technischer, individueller.» Ehrig verfeinerte die Wurfqualität und stabilisierte die Abwehrarbeit, die er dank seiner Statur auf der Zweierposition verrichtet. Nun öffnet Ehrig, der internationales Management studiert, das nächste Kapitel – in Zürich will er vorne und hinten zum Leistungsträger avancieren. «Die Bewegungsabläufe im Rückraum stimmen noch nicht ganz. Doch das wird mit der Zeit kommen.»
Text: Stephan Santschi




















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