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Andy Schmid stellt klar: «Ich werde keine Kompromisse mehr eingehen»

vor 1 Stunde
4 Min. Lesezeit

Die Schweiz hat die WM verpasst, eine EM-Qualifikation gibt es nicht, und so kommt dem Euro Cup eine grosse Bedeutung zu. Nationaltrainer Andy Schmid spricht über die harte Konkurrenz, Überraschungen im Aufgebot und sein Doppelmandat.


Text: Stephan Santschi Bilder: Benjamin Faes



Nationaltrainer Andy Schmid wird künftig keine Kompromisse mehr eingehen.


Das Scheitern in den Playoffs zur Weltmeisterschaft 2027 ist mittlerweile über fünf Monate her, trotzdem ist die Schmach gegen Italien noch nicht vergessen. Auswärts in Faenza lagen die Schweizer im Rückspiel bereits zur Pause mit 12:20 zurück, am Ende kassierten sie eine äusserst schmerzhafte 31:38-Niederlage. In Kombination mit dem zu knappen 32:29-Sieg im Heimspiel führte dies zum ersten, markanten Rückschlag in der Ära von Nationaltrainer Andy Schmid. Sein grösstes Learning: «Ich ging Kompromisse ein. Das werde ich künftig nicht mehr tun.»


Die Schweizer bleiben damit 20 Monate ohne Ernstkampf. Die WM im nächsten Januar findet ohne sie statt, und weil sie einer der Gastgeber der EM 2028 sind, stehen auch keine Qualifikationsspiele für die Europameisterschaft auf dem Programm. Willkommen, ist deshalb der Euro Cup, in dem man sich zwischen November 2026 und Mai 2027 mit den anderen EM-Hosts Portugal und Spanien, sowie dem bereits qualifizierten Titelverteidiger Dänemark misst. «Duelle auf diesem Niveau haben mehr als Freundschaftsspiel-Charakter. Sie sind unsere Gradmesser auf dem Weg zur Euro», sagt Schmid.


Schweiz stellt gegen Dänemark Zuschauerrekord auf

Auf dem Papier ist die Schweiz unterlegen, «die Trauben hängen verdammt hoch», vermerkt Schmid, doch genau darin liegt auch der Reiz. Los geht es am Mittwoch, 4. November (20 Uhr, live auf SRF Sport) in Porto gegen Portugal, welches Schmid an grossen Turnieren mittlerweile zu den Medaillen-Kandidaten zählt. Am Sonntag (16 Uhr, live auf SRF Sport) folgt das Highlight im eigenen Land, wenn mit Dänemark das Nonplusultra des Welt-Handballs in Zürich gastiert. In der Swiss Life Arena, wo im Januar 2028 auch die Schweizer EM-Vorrundenspiele ausgetragen werden, sind schon über 10’300 Tickets verkauft worden. Damit steht fest: Die zehn Jahre alte Bestmarke fällt, 2016 schauten sich 10’040 Fans das EM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland im Zürcher Hallenstadion an. «Wir werden bereits EM-Luft schnuppern können», erklärt Schmid.


Sein 17-Mann-Aufgebot hält dabei die eine oder andere Überraschung bereit. Nicht dabei sind mit Spielmacher Manuel Zehnder und dem linken Aufbauer Lenny Rubin zwei potenzielle Leistungsträger. Zehnder kommt bei seinem neuen Klub GOG zu viel Spielzeit, ist sowohl in der Champions League (Einzug in die Hauptrunde der Top 12), als auch in der dänischen Liga (Platz eins) der Topscorer. Als Grund für die Nicht-Nomination wird in der Medienmitteilung die hohe Belastung angeführt. Das mutet eigenartig an, Schmid will diese Thematik aber nicht weiter erläutern. «Im Januar wird Manu im Yellow Cup wieder dabei sein.»


Verzicht auf Lenny Rubin hat Signalwirkung

Erstaunlich ist auch der Verzicht auf Rubin, dem mit Abstand besten Torschützen des aktuellen Nationalteams. Der 30-jährige Berner hat bewegte Monate hinter sich. Nachdem er in Stuttgart seinen Vertrag nicht verlängert hatte, hoffte er auf lukrative Angebote, die zunächst aber ausblieben. Den Start in die neue Saison bestritt er deshalb mit dem BSV Bern, ehe die schwere Knieverletzung von Tim Suton die Tür zu Bundesligist Lemgo öffnete. «Lenny ist ein fixer Bestandteil der Nationalmannschaft. Aber ich will, dass er zuerst wieder Fuss fasst und zu Stabilität findet. Gleichzeitig kann ich anderen Rechtshändern im Rückraum viel Spielzeit geben», berichtet Schmid.


Die Nicht-Berücksichtigung von Rubin, der im WM-Playoff gegen Italien zu den grossen Enttäuschungen zählte, kann durchaus als Zeichen gewertet werden, dass man sich Einsätze im Schweizer Nationalteam künftig härter verdienen muss. Anstelle von Rubin dürfen sich gegen Portugal und Dänemark Akteure wie Luca Sigrist, Mehdi Ben Romdhane oder Tiago Cuencas vermehrt in Szene setzen. «In den Spielen des Euro Cups herrscht kein grosser Druck, keine grosse Erwartungshaltung. Wir können Spieler auf einem hohen Niveau testen», erklärt Schmid.


Felix Aellen (links) ist der unbestrittene Chef von Eisenach. Wenig Spielzeit bekommt Luca Sigrist in Lemgo (rechts).


In Lemgo ist eine «Schweiz light» am Werk

Und sonst? Ist die Spielpraxis von Goalie Nikola Portner bei seinem neuen Klub Szeged erfreulich, auch wenn er noch nicht auf Toplevel performt. Noam Leopold entwickelt sich bei Nantes zu einem der weltbesten Linksaussen. Spielmacher Felix Aellen ist der unbestrittene Chef von Eisenach, und für das formstarke Lemgo stehen mit Rubin, Samuel Zehnder, Levin Wanner und Joel Willecke zeitweise sogar vier überzeugende Schweizer gleichzeitig auf der Platte. Wenig Spielzeit in ihren Klubs haben derweil Sigrist (Melsungen), Lukas Laube (Kiel), Gino Steenaerts (Rhein-Neckar Löwen), sowie die zuletzt verletzten Samuel Röthlisberger (Stuttgart) und Michael Kusio (Nîmes).



Noam Leopold entwicklet sich in Nantes zu einem der weltbesten Linksaussen.


Bleibt der Blick auf Andy Schmid und seine Rolle im Doppelmandat. Seit dem letzten Juli amtet der 43-jährige Innerschweizer auch als Cheftrainer des HC Kriens-Luzern. Dort ist der Saisonstart geglückt: In der QHL dominieren die Krienser mit elf Siegen aus elf Spielen nach Belieben, in der Champions League fehlte im Direktduell mit Kielce wenig, um sogar in die Hauptrunde der Top 12 vorzustossen. «Es ist intensiv, aber bis jetzt kann ich nur Positives berichten. Die tägliche Arbeit in der Halle gibt mir Energie und Erfüllung. Darüber hinaus hatte ich mit Kriens-Luzern 16 Matchvorbereitungen, 16 Spiele und rund 50 Timeouts. Diese Erfahrung werde ich in die Nationalmannschaft mitnehmen.»

 
 
 

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