Reifeprüfung für die Schweiz

Die Schweiz startet als leichter Aussenseiter in die WM-Playoff-Spiele gegen Portugal. Sie ist aber nicht chancenlos, viele Akteure stehen vor einem nächsten Karriereschritt.


Reto Pfister

Lenny Rubin (links) spielt bis jetzt eine überzeugende Saison. Foto: Sascha Klahn


Es hatte wenig gefehlt, sehr wenig, damit die Schweiz an der EM 2022 dabei gewesen wäre. Ein Punkt aus den vier Spielen gegen Dänemark und Nordmazedonien hätte gereicht, um die Qualifikation zu schaffen, und mehrfach verpasste man den Punktgewinn nur knapp. Die Reifeprüfung, die bestand das Nationalteam vor einem Jahr knapp nicht. Jetzt steht wieder eine Qualifikation vor der Tür, diesmal für die WM 2023. Der Gegner in der ersten Playoff-Runde heisst Portugal, erst am Donnerstag (20 Uhr) auswärts in Guimaraes, dann am Sonntag (14.30 Uhr) zu Hause in Winterthur. Wenn dieser Kontrahent bezwungen werden kann, wartet als zweite Hürde im April wiederum in Hin- und Rückspiel das EM-Überraschungsteam Niederlande.


Rubin bester Feldtorschütze der Bundesliga

Es ist eine erneute Reifeprüfung für das Schweizer Team. Es tritt aus einer Aussenseiterposition aus an, ist aber nicht chancenlos. Der Blick auf die einzelnen Schweizer Akteure zeigt, dass einige im Sommer den nächsten Karriereschritt vollziehen werden. Die Liste der neuen Vereine, zu denen die Nationalspieler stossen werden, liest sich gut. Torhüter Leonard Grazioli und Spielmacher Jonas Schelker werden in der nächsten Saison in Wetzlar spielen, wo schon Lenny Rubin unter Vertrag steht.


Auch Samuel Zehnders Weg führt in die Bundesliga, er wird für Lemgo spielen. Im Hinspiel in Portugal fehlt er allerdings erkrankt, genauso wie Zoran Markovic. Es handelt sich nicht um Corona, die Tests bei beiden Spielern fielen negativ aus. Es besteht die Hoffnung, dass sie am Sonntag mitwirken können. Auch Max Gerbl wechselt nach Deutschland, er spielt in Zukunft für Hannover-Burgdorf.


Der Stammtorwart Nikola Portner (derzeit Chambéry) und Kreisläufer Lucas Meister (derzeit Minden) wiederum wurden vom SC Magdeburg verpflichtet, dem mutmasslichen deutschen Meister der Saison 2021/22, verbunden sehr wahrscheinlich mit einer Teilnahme an der Champions League. Rubin wiederum ist mit 127 Treffern derzeit der beste Feldtorschütze der Bundesliga.


Alles Fakten, die zeigen, dass sich die Schweizer Spieler immer noch in einem stetigen Weiterentwicklungsprozess befinden, gleichzeitig aber sehr viel Potenzial vorhanden ist. Gelingt ist es, dieses abzurufen und spielt gleichzeitig Portugal nicht auf allerhöchstem Niveau, dann ist ein Triumph über diesen Gegner möglich. Auch wenn die Schweiz nicht vom Losglück begünstigt war, es für die erste Playoff-Runde einfachere Gegner wie die Slowakei oder Litauen gegeben hätte: die WM 2023 ist für das Team von Nationaltrainer Michael Suter nicht komplett aus der Reichweite.


Automatismen, die funktionieren

Auch dank ihm setzen immer mehr Spieler voll auf die Karte Handball, wechseln als Profis ins Ausland. «Das braucht es, sonst haben wir keine Chance», sagt Suter. Die Schweizer halten mittlerweile auch gegen die Besten gut mit. «Das spricht für unsere Stabilität, unterstreicht, dass das, was wir machen, einen Sinn ergibt, und die Jungs an den Weg glauben», sagt Suter. «Wir verfügen über Automatismen, die immer wieder funktioniert haben.»


«Es wird ein hochstehendes Duell» , ist er überzeugt. «Wir wollen wir unbedingt wieder an eine WM, das ist unser ganz grosser Ansporn.»

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