Dramatik, Emotionen und wenige Überraschungen

Titelverteidiger Norwegen, Olympiasieger Frankreich und Gastgeber Montenegro gewinnen alle drei Vorrundenspiele bei der Frauen-EM – und gehen als Favoriten in die Hauptrunde, Deutschland mit Riesenglück weiter.


Text: Björn Pazen Bilder: kolektiffimages.com


Die erste Woche der ersten Frauen-Handball-Europameisterschaft in drei Ländern ist absolviert – und die zwölf Mannschaften, die ab heute Donnerstag in der Hauptrunde antreten, stehen seit Mittwochabend fest. Am spannendsten machte es Deutschland, das erst mit dem letzten Tor und trotz der 21:23-Niederlage gegen Spanien gerade noch das Hauptrunden-Ticket buchte.


Die Schweizerinnen haben ihre Turnierpremiere mit Bravour gemeistert, nach einer knappen Niederlage gegen Ungarn gab es zum Abschluss um ein Haar einen Sieg gegen den EM-Dritten von 2020 aus Kroatien, aber am Ende immerhin den ersten Punkt bei einer Frauen-Europameisterschaft. Dieser Punkt reichte allerdings in Gruppe A nicht zum Weiterkommen.


Aus den beiden slowenischen Spielorten Celje und Ljubljana haben sich allesamt die Favoriten für die Hauptrunde qualifiziert – mit mehr oder weniger souveränen Leistungen. Rekord-Europameister und Titelverteidiger Norwegen hatte in der Schweizer Gruppe keine Probleme – und startet als einziges Team der Hauptrundengruppe I mit dem Optimum von vier Punkten. Und zwei Rekorde stellten die Norwegerinnen bereits auf: Mit dem finalen Vorrunden-Erfolg gegen Ungarn (32:22) bauten sie ihre Serie auf 15 EM-Siege in Folge aus, und die 42-Jährige Torfrau Katrine Lunde ist mit nun 55 EM-Einsätzen Rekordspielerin aller Europameisterschaften –am 20. November hofft sie darauf, die erste Spielerin mit sechs EM-Goldmedaillen zu werden.


In besagter Hauptrundengruppe I folgen vier Mannschaften, die mit 2:2 Punkten starten – darunter alle, die aus Vorrundengruppe B weitergekommen sind. Denn Dänemark, Schweden und Slowenien kamen in den direkten Duellen jeweils zu einem Sieg und einer Niederlage – alle drei besiegten die enttäuschenden Serbinnen, die im EM-Klassement (wie Nordmazedonien) sogar noch hinter der Schweiz landeten. Am überraschendsten war sicherlich der slowenische 28:26-Auftaktsieg gegen Dänemark, die Hoffnungen das Gastgebers erhielten dann beim 22:33 gegen Schweden einen erheblichen Dämpfer. Und im Duell um den Gruppensieg hielt Dänemarks Torfrau Sandra Toft überragend und sicherte das 25:23 gegen Schweden. Slowenien durfte dennoch jubeln, denn nach 18 Jahren qualifizierte man sich wieder für eine EM-Hauptrunde.


In der zweiten Turnierhälfte, deren Vorrundengruppen in Podgorica (Montenegro) und Skopje (Nordmazedonien) ausgespielt wurde, ging es deutlich spannender zu, wenn man vom erwartungsgemäss punktlosen Abschneiden der chancenlosen Mazedonierinnen absieht. In Gruppe C in Skopje hatten sich Frankreich und die Niederlande vorzeitig den Einzug in die Hauptrunde gesichert – das direkte Duell am letzten Spieltag war ein echter Thriller, denn erst mit dem letzten Tor von Alicia Toublanc stand der 26:24-Sieg der Französinnen fest, die Niederlande waren 60 Minuten auf Augenhöhe. Platz drei ging an Rumänien, das nur gegen Nordmazedonien gewann.


Richtig dramatisch war es im Kampf um das letzte Hauptrundenticket in Gruppe D in Podgorica, wo bei den Spielen von Gastgeber Montenegro vor jeweils über 4000 Zuschauern die beste Stimmung herrschte. Getragen von den Fans gewann Montenegro alle drei Spiele – und nahm wie Frankreich 4:0 Punkte in die Hauptrunde mit. Sensationell war Polens 22:21-Sieg nach 16:20-Rückstand gegen Spanien, nachdem man zuvor schon gegen Deutschland eine starke Partie gezeigt hatte und unglücklich mit 23:25 verloren hatte. Vor dem allerletzten Spiel Deutschland gegen Spanien konnte somit noch drei Mannschaften weiterkommen. Die zuvor punktlosen Spanierinnen mussten gewinnen, Deutschland reichte sogar eine Niederlage mit zwei Toren Differenz, nachdem Polen gegen Montenegro verloren. Beim zwischenzeitlichen 18:22 wäre Deutschland ausgeschieden gewesen, erst als Xenia Smits 24 Sekunden vor dem Ende der Treffer zum 21:23 erzielte und Spanien danach den letzten Wurf vergab, waren beide Teams weiter, die Polinnen mussten nach Hause fliegen. Wie die Niederlande startet Spanien die Hauptrunde mit zwei Punkten, Deutschland hat wie Rumänien null Punkte auf dem Konto.

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