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noch zu sehr von den Stars abhängig

Vor den Playoff-Spielen gegen Portugal wurde davon gesprochen, sich für die WM 2023 qualifizieren zu wollen. Die Schweizer sind klar gescheitert. Gegen einen starken Kontrahenten wurde klar ersichtlich, woran gearbeitet werden muss.


Reto Pfister

Die enttäuschten Schweizer Spieler verabschieden sich vom Publikum. Foto: Alexander Wagner


Es hätte einfachere Aufgaben gegeben als diese Portugiesen. Die Südeuropäer zeigten im Gegensatz zur EM im Januar, als ihnen zahlreiche Spieler gefehlt hatten, in den WM-Playoff-Spielen wieder stabil gute Leistungen und agierten auf einem international gehobenen Niveau.


Statt Portugal hätte der Schweiz beispielsweise Bosnien-Herzegowina (out gegen Griechenland) oder Litauen (out gegen Israel) zugelost werden können. Oder sie hätte gar eine Konstellation vorfinden können wie die Belgier, die die Slowakei als Kontrahent erhielten, die Chance packten und nun gar sensationellerweise an der WM mit dabei sind, weil der Zweitrundengegner Russland ausgeschlossen wurde. Eine solche Situation fand das Nationalteam jedoch nicht vor, stattdessen wurde die erste WM-Playoff-Runde vor allen zu Partien voller Erkenntnisse.


Schmids «Nuller»

Es wurde klar ersichtlich, dass diese Mannschaft starker Darbietungen ihrer Leistungsträger bedarf, um gegen eine Nation wie Portugal erfolgreich sein zu können. Etwa von Torhüter Nikola Portner, dessen Bilanz in den beiden Partien durchzogen ausfällt. Oder noch mehr von Spielmacher Andy Schmid, dem Schweizer Handballer der Neuzeit, der den Sprung in die Weltklasse geschafft hat.


In seiner letzten Saison bei den Rhein-Neckar Löwen steckt der 38-Jährige in einer sportlich schwierigen Situation, das einstige Bundesliga-Spitzenteam ist ins Mittelfeld der Liga abgerutscht. Und auch Schmids eigene Bilanz fällt durchzogen aus. In den Portugal-Spielen war er nicht der gewohnte Leader. Im Rückspiel in Winterthur lief bei ihm gar nichts zusammen, nach 13 Minuten, vier Fehlwürfen und keinem Treffer wurde er ausgewechselt. Und fortan nicht mehr eingesetzt.


Danach führte meist Jonas Schelker Regie. Der Schaffhauser Regisseur soll die Nachfolge Schmids antreten, wenn dieser seine Karriere im Nationalteam beendet hat. An seinem Beispiel zeigte sich, wo sich die Schweizer verbessern müssen, wenn sie mittelfristig auch ohne den grossen Star in der Rückraummitte bestehen wollen. Schelker ist hochtalentiert, war an einigen durch schnelle Angriffe herausgespielten Toren beteiligt, beging dann aber auch einige Fehler. Die Schweiz ist immer noch eine Mannschaft in der Entwicklung; dies wurde ihr von den reifen Portugiesen deutlich aufgezeigt.


Dass Spieler wie Schelker, Samuel Zehnder, Leonard Grazioli und Max Gerbl im Sommer in der Bundesliga wechseln, wird sich für die Zukunft des Nationalteams positiv auswirken. Die jungen Akteure werden Tag für Tag, in Training wie Spiel, auf höchstem Niveau gefordert. Und nehmen im besten Fall eine Entwicklung wie Lenny Rubin. Er ist bei der HSG Wetzlar zu einem Bundesligaprofi der oberen Güteklasse gereift; derzeit ist er der beste Feldtorschütze überhaupt. Auch der Berner Oberländer überzeugte gegen Portugal nicht immer; mit 13 Toren war er aber immerhin für fast einen Viertel der Schweizer Treffer verantwortlich, gefolgt von Marvin Lier (10), der auf Linksaussen und vom Siebenmeterpunkt aus ein sicherer Wert war.


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