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Roman Schelbert von Kriens-Luzern avancierte zur Nummer eins im Schweizer Tor. Bild: Foto Wagner  

Roman Schelbert: «Das hätte ich nie gedacht»

Die Schweiz hat sich am letzten Wochenende auf Zypern für die WM-Playoffs im Juni qualifiziert. Einer der tragenden Figuren war Roman Schelbert, der Goalie von Kriens-Luzern. Den 27-jährigen Muotathaler hatte im Vorfeld niemand auf der Rechnung.

Roman Schelbert, die Rückreise von der WM-Vorqualifikation aus Nikosia in die Schweiz verlief nicht gerade wunschgemäss.

Roman Schelbert: Nein, die war ziemlich mühsam. Eigentlich hätten wir am Montag, um 16 Uhr abfliegen sollen. Doch wegen technischer Probleme haben wir stundenlang warten müssen. Um 21 Uhr haben wir dann tatsächlich im Flugzeug Platz genommen - allerdings nur, um kurz darauf wieder auszusteigen. Es bedurfte der Unterschrift eines Technikers, um abheben zu können. Und der war nicht da (das Flugzeug wurde beim Anflug von einem Blitz getroffen und musste gründlich untersucht werden, Anm. d. Red.). Wir übernachteten in Larnaca und flogen erst am Dienstag um 16 Uhr nach Hause.

Wie habt ihr euch die Zeit vertrieben?

Schelbert: Einige haben geschlafen, andere, wie ich, spielten Uno. Wir spazierten herum, schauten TV, assen etwas. Es kam nie negative Stimmung auf, doch am zweiten Tag hat schon der eine oder andere ausgerufen. Es wollten alle nach Hause.

Immerhin hatte die Mannschaft die Qualifikation für die WM-Playoffs im Juni im Gepäck, das dürfte die Leidensfähigkeit erhöht haben. Weshalb hat sich die Schweiz in Zypern gegen die Färöer, Zypern und Weissrussland durchsetzen können?

Schelbert: Trainer Goran Perkovac hat uns ausgezeichnet eingestellt. Auch die Stimmung im Team war gut. Und dann haben uns die Ergebnisse der letzten drei Wochen, in denen wir gut spielten und nur gegen Spanien verloren, viel Sicherheit gegeben.

Im entscheidenden Spiel gegen Weissrussland spielten Sie durch, weil Pascal Stauber krank war. Mitunter Ihren 18 Paraden verdankte die Schweiz den 26:23-Sieg. Wie haben Sie diese neue Verantwortung erlebt?

Schelbert: Ich war zu Beginn ziemlich nervös, schliesslich hätte ich nie gedacht, dass ich im entscheidenden Spiel im Tor stehe. Perkovac hat mich im Dezember als Nummer drei angefragt, und vermutlich kontaktierte er auch für diesen Posten zunächst drei andere. Dann verletzte sich Quadrelli und ich spielte schon am Yellow-Cup - nicht einmal damit hatte ich gerechnet. Und dann wurde Stauber in der Nacht vor dem Weissrussland-Spiel krank. Da wusste ich: «Jetzt kommt es auf dich an.»

Fiel Ihnen die Umstellung schwer?

Schelbert: Ich stiess erst am 1. Januar zum Team, aus beruflichen Gründen (Netzelektriker, Red.) trainierte ich vor dem Yellow-Cup nicht mit der Mannschaft in der Halle. Am 2. Januar stand ich schon im Einsatz, weshalb ich am Anfang Mühe hatte. Ich musste mich rantasten und Vertrauen zu den Verteidigern aufbauen.

Sie steigerten sich von Spiel zu Spiel. Waren Sie dennoch von Ihrem starken Auftritt gegen Weissrussland überrascht?

Schelbert: Nein, ich hatte bereits davor gegen Brasilien am Turnier in Badajoz oder gegen die Färöer gut gespielt. Ich wusste, dass ich auf diesem Niveau bestehen kann, schliesslich treffen wir auch in der NLA auf Spieler von internationalem Format.

Vor dem Aufgebot für die Schweiz waren Sie fast sieben Jahre von der internationalen Bildfläche verschwunden, Ihre bis dahin einzigen drei Länderspiele datieren vom März 2003. Weshalb hat man so lange nichts mehr von Ihnen gehört?

Schelbert: 2003 hatte mir das Spiel mit der Schweizer Nationalmannschaft keinen Spass gemacht, weshalb ich eine Rückkehr nicht um jeden Preis anstrebte. Zwischendruch spielte ich mit Kriens auch noch in der NLB, und war deshalb sowieso kein Thema. Dass ich gerade jetzt wieder angefragt wurde nach einem Herbst, der auch schon besser war, hat mich überrascht.

Sie sprechen es an: In Kriens-Luzern waren Sie in dieser Saison hinter Tobias Hodel nur die Nummer zwei. Tun Sie sich schwer damit?

Schelbert: Es ist eine neue Situation, aber ich komme trotzdem zu meiner Spielzeit. Sicherlich erwarte ich mehr von mir, als ich in der Meisterschaft bisher gezeigt habe. Wenn ich in Kriens so spiele, wie zuletzt mit der Schweiz, kann ich der Mannschaft aber sicher weiterhelfen.

Mit Kriens-Luzern wollen Sie in die Finalrunde. Und mit der Schweiz in die WM-Playoffs. Oder rücken Sie nun wieder ins zweite Glied, wenn Goalies wie Merz oder Quadrelli zurückkommen?

Schelbert: Ich weiss nicht, wie es weiter geht. Ich glaube aber schon, dass ich in der Nationalmannschaft ein Thema bleibe. Es liegt nun an mir, mich im Verein zu zeigen. Ich werde mich nicht ausruhen.

Interview Stephan Santschi

 
 
   
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